Nach monatelangem Drängen bestätigte ein Sprecher des britischen Premierministers Tony Blair, dass der Chef der Labour-Partei am Donnerstag die Details zu seinem Rücktritt bekannt gibt. Der Premier werde seine Kabinettskollegen in London am Morgen informieren, bevor er  nach Nordengland fliegt, um dort in seinem Wahlkreis in Sedgefield eine offizielle Erklärung abzugeben. Im Vorfeld hatte Oppositionsführer David Cameron von der Konservativen Partei  der Regierung vorgeworfen, sie sei bereits vor Blairs Erklärung "paralysiert". In seinen letzten Wochen werde Blair einer Regierung der "lebenden Toten" vorstehen.

Nach den Regeln folgt der Rücktrittsankündigung ein sieben Wochen dauernder Prozess, in dem sowohl Blairs Nachfolger als auch der des Vizeregierungschefs ernannt werden sollen. Der bisherige Stellvertreter Blairs, John Prescott, hatte bereits angekündigt, er werde zusammen mit dem Premier zurücktreten. Schatzkanzler Gordon Brown gilt seit langem als wahrscheinlicher Nachfolger Blairs.

In einer Fragestunde des Unterhauses in London am Mittwoch sagte Blair, er wolle nach seiner Erklärung über seinen Rücktritt noch "konzentriert politisch" arbeiten. Der Regierungschef werde bis zum Sommer noch "voll engagiert" die Politik Großbritanniens führen, ehe sein Rücktritt wirksam werde, sagte Blairs offizieller Sprecher. Dazu gehöre auch, dass sich Blair auf seine Auftritte bei den Gipfelkonferenzen der G8 und der EU im Juni in Deutschland konzentriere.

Der Premier hatte am 1. Mai, zum zehnten Jahrestag seines erstes Wahlsiegs , eine "definitive" Erklärung zur Niederlegung seiner Ämter für diese Woche in Aussicht gestellt. Bereits im vergangenen September hatte er gesagt, er werde innerhalb eines Jahres zurücktreten. Seitdem wurde auf ein konkretes Datum gewartet. Spekulationen, Blair würde am Mittwochabend Königin Elizabeth II. treffen, um sie aus "Höflichkeit" über seinen Rücktritt als Labour-Vorsitzenden zu informieren, wies ein Sprecher Blairs zurück.

Der 54 Jahre alte Blair hatte für Labour seit 1997 drei Wahlsiege in Folge errungen. Seit seiner Entscheidung, britische Soldaten in den Irak-Krieg zu schicken, war er immer unpopulärer geworden . Erst vergangene Woche hatte seine Labour-Partei bei den Regionalwahlen in England, Wales und Schottland eine schwere Schlappe einstecken
müssen.