Der britische Premierminister Tony Blair will Ende Juni zurücktreten und damit nach zehn Jahren die politische Verantwortung für die zweitgrößte Volkswirtschaft Europas abgeben. Mit der Ankündigung leitete der 54-Jährige am Donnerstag mitten in seiner dritten Amtszeit einen Stabwechsel an der Spitze von Labour-Partei und Regierung ein. Als Favorit für die Nachfolge gilt Finanzminister Gordon Brown.

Blair nannte in einer Rede vor Anhängern den 27. Juni als den Tag seines Rücktritts. Er kann damit noch am G-8-Gipfeltreffen in Heiligendamm und am 21. und 22. Juni am EU-Gipfeltreffen zum Ende der deutschen Ratspräsidentschaft teilnehmen.

"Ich war mehr als zehn Jahre lang Premierminister dieses Landes", sagte Blair im englischen Trimdon, seinem Wahlkreis. "Ich denke, das ist lange genug, nicht nur für mich, sondern auch für das Land."

Blair hatte sein Amt im Mai 1997 als jüngster Premierminister in der Geschichte Großbritanniens angetreten und war erst als zweiter Regierungschef nach der konservativen Margaret Thatcher vor knapp einem Jahr zum dritten Mal in Folge gewählt worden. Seine Irakpolitik kostete den ehemaligen Hoffnungsträger der Linken jedoch die Unterstützung der Wähler und zuletzt auch wichtiger Teile seiner eigenen Partei.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bedauert den angekündigten Rücktritt von Blair. Sie nehme den Schritt des langjährigen Regierungschefs mit Respekt zur Kenntnis, erklärte ein Regierungssprecher am Donnerstag in Berlin. Mit Blair verbinde sie eine besonders enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit in internationalen und europapolitischen Fragen. Sie sehe der Gelegenheit entgegen, im Juni beim Gipfeltreffen der G8 in Heiligendamm und dem EU-Gipfel zum Ende der deutschen Ratspräsidentschaft bei der Lösung der anstehenden Aufgaben die bewährte Zusammenarbeit mit Blair fortsetzen zu können.

US-Präsident George W. Bush verliert mit Blair seinen engsten Verbündeten im Irakkrieg, in dem die Gewalt auch im fünften Jahr seit dem Einmarsch der USA und Großbritanniens zu keinem Ende kommt. Der bei seinem Amtsantritt wie ein Rockstar gefeierte Premierminister wurde dafür wiederholt als Bushs Pudel verspottet.