Auf der Place de la Bastille in Paris, traditionell ein Ort für linke Demonstrationen, lieferten sich etwa 200 Autonome Gefechte mit der Polizei: Kurz nach Mitternacht vertrieben die Polizisten die übrig gebliebenen Demonstranten oder nahmen sie fest. Zuvor hatten Polizisten in Zivil versucht, gewalttätige Sarkozy-Gegner, die Flaschen und Steine warfen, festzunehmen, was erneute Angriffe gegen die Sicherheitskräfte auslöste. Auch auf dem Boulevard de la République löste die Polizei eine Demonstration von etwa 500 Menschen auf. Zuvor waren Schaufensterscheiben eingeworfen und Telefonkabinen demoliert worden.

Die Demonstranten riefen unter anderem: "Wir sind keine Randalierer, wir sind Wähler." Sarkozy hatte während der Jugendunruhen im Jahr 2005 heftige Proteste ausgelöst, als er gewalttätige Jugendliche als "Abschaum" bezeichnet hatte, die mit dem Hochdruckreiniger weggesäubert werden müssten.

Landesweit gingen gestern nach Angaben des Innenministeriums etwa 10.000 Sarkozy-Gegner auf die Straßen der Grande Nation. Auch in anderen Städten wie in Nantes, Rennes, Tours und Toulouse verliefen Demonstrationen zum Teil gewalttätig: In Nantes kam es zu Zusammenstößen von bis zu 200 Sarkozy-Gegnern mit den Ordnungskräften.

Auch in Rennes waren der Polizei zufolge etwa 300 Demonstranten an Gewalttätigkeiten beteiligt. Unter anderem bewarfen sie demnach Polizisten mit verschiedenen Projektilen und setzten vier Autos sowie diverse Mülleimer in Brand. In Caen beteiligten sich etwa 800 Menschen, überwiegend Studierende, an einem friedlichen Protestmarsch gegen Sarkozy. In Tours folgten etwa 300 Menschen einem Aufruf der Gewerkschaft Solidaires und beteiligten sich an einer ebenfalls friedlichen Demonstration.

Bereits am Wahlabend am Sonntag war es zu Ausschreitungen gekommen. Dabei wurden nach Polizeiangaben 730 Autos angezündet, fast 80 Polizisten verletzt und bis zu 600 Menschen festgenommen. Sarkozys Amtseinführung ist für den 16. Mai geplant.

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