Der Autokonzern DaimlerChrysler trennt sich nach neun Jahren von seiner amerikanischen Sparte Chrysler. Der Unternehmensteil mit Sitz in Detroit soll zu 80,1 Prozent an den Finanzinvestor Cerberus verkauft werden, teilte DaimlerChrysler am Montagvormittag mit. Daimler wird die restlichen Anteile an Chrysler offenbar behalten, um gemeinsame Pkw-Projekte der eigenen Marke Mercedes-Benz und von Chrysler abzusichern. Der Gewinn der Konzernmutter für 2007 wird voraussichtlich mit drei bis vier Milliarden Dollar belastet werden.

Die Börse honorierte die Trennung, die Investoren seit Jahren gefordert haben, mit einem satten Kursplus. Die seit Wochen von Verkaufsspekulationen angetriebene Aktie von DaimlerChrysler legte in der Spitze knapp acht Prozent auf bis zu 65,34 Euro zu und war klarer Dax-Gewinner.

Aus DaimlerChrysler soll nach dem Verkauf die Daimler AG werden - womit der Konzern zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Das Geschäft soll vermutlich im drittel Quartal abgewickelt sein. Leer ausgegangen ist der kanadische Zulieferer Magna. Er hatte sich Hoffnung gemacht, Chrysler übernehmen zu können. In den vergangenen Tagen war aber alles darauf zugelaufen, dass ein Finanzinvestor den Zuschlag für den defizitären Autobauer erhält.

Am Montagnachmittag will DaimlerChrysler die Details bekanntgegeben. Die Struktur der Transaktion ist kompliziert. Von der Einlage von 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus leistet, fließen offenbar 3,7 Milliarden in das Industriegeschäft und 800 Millionen in das Finanzdienstleistungsgeschäft, um die jeweilige Eigenkapitalquote zu stärken. Den Restbetrag von einer Milliarde Euro erhält DaimlerChrysler. Zugleich gewährt der bisherige Mutterkonzern der Chrysler Corporation ein Darlehen in Höhe von 300 Millionen Euro. Das Industriegeschäft soll schuldenfrei übergeben werden. Dies wird DaimlerChrysler 1,2 Milliarden Euro kosten. Zusätzlich sollen langfristige Schulden von Chrysler abgelöst werden. Letztlich wird DaimlerChrysler also wohl Verlust machen.

Das H andelsblatt berichtet, Cerberus übernehme dafür die Pensionsverpflichtungen und die Gesundheitsfürsorge für Chryslers Mitarbeiter. Sie belaufen sich auf rund 18 Milliarden Euro.

Beraten wurde Cerberus bei dem Geschäft von Wolfgang Bernhard. Er stand neben DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche von 2001 bis 2004 an der Spitze von Chrysler. Amerikanische medien berichten, dass der gegenwärtige Chrysler-Chef Topm LaSorda die Geschäfte auch für Cerberus weiterführen soll.