Vier Tage nach dem erneuten Ausbruch der Gewalt zwischen Kämpfern der palästinensischen Gruppierungen Fatah und Hamas im Gazastreifen scheint zumindest eine Tatsache unstrittig: Die unter saudischer Federführung zustande gekommene Regierung der Nationalen Einheit ist kaum mehr als eine Fiktion. Denn ob der langen Liste der Streitigkeiten und Rivalitäten konnte die Regierung ihre Geschäfte nie richtig aufnehmen – der Rücktritt des unabhängigen Innenministers Hani al-Qawasmeh ist der jüngste Beweis dafür.

Die Kämpfe verschärften sich am Dienstag, jenem Tag, an dem die Palästinenser der "Nakba", der "Katastrophe" durch die Unabhängigkeit Israels gedenken. Die Hamas verdächtigt die USA, die Fatah-Präsidentengarde zu bewaffnen und zu finanzieren.

Mit der anhaltenden Gewalt wächst die Wahrscheinlichkeit, dass die Palästinensische Autonomiebehörde diese Krise nicht übersteht. Damit würde Washington, der EU und nicht zuletzt der saudischen Friedensinitiative der Verhandlunsgpartner verloren gehen. Der amtierende Präsident Mahmud Abbas hat bereits die Möglichkeit einer Auflösung der Palästinenserbehörde thematisiert. Die Folgen wären für die Palästinenser fatal. Israel, das als Besatzungsmacht die gesetzliche Verantwortung für die Palästinensergebiete trägt, würde wieder als direkte politische Kontroll- und Verwaltungsinstanz eingesetzt.

Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fraktionen Hamas und Fatah haben zu einem zuvor nicht gekannten Maß an interner Gewalt geführt, der trotz mittlerweile zwölf Aufrufen zum Waffenstillstand und zur Beendigung des Chaos immer mehr Menschen zum Opfer fallen. In Wirklichkeit gibt es keine Regierung der Nationalen Einheit. Während die Präsidentschaft bei Mahmud Abbas und damit weiter in den Händen der Fatah blieb, wurde mit Ismail Hanija ein Hamas-Chef zum Ministerpräsidenten. Im Nachhinein hat sich diese Konstellation als äußerst giftig herausgestellt.

In den vergangenen vier Tagen sind allein im Gazastreifen insgesamt 28 Menschen dem Bruderzwist zum Opfer gefallen, mehr als 100 wurden verletzt. Palästinensische Medien berichteten am Mittwoch, dass bislang nicht identifizierte Kämpfer das Feuer auf die Krankenstation einer palästinensischen Hilfsorganisation in Gaza-Stadt eröffnet haben. Nach zahlreichen weiteren Überfällen hat das Gesundheitsministerium zu Blutspenden in Gazas Krankenhaus aufgerufen. Ein Ende der Gewalt ist vorerst nicht in Sicht.