Der Selbstmordattentäter habe am Samstag zugeschlagen, als die Deutschen auf einem belebten Markt in Kundus aus ihrem Patrouillenfahrzeug gestiegen seien, erklärten afghanische Behörden. Bundeskanzlerin Angela Merkel reagierte erschüttert und verurteilte den "perfiden Mord". Die internationale Gemeinschaft werde sich nicht entmutigen lassen und den Aufbau des Landes weiter unterstützen, versicherte sie. Zu dem Anschlag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban.

Verteidigungsminister Franz-Josef Jung sprach von einem hinterhältigen Anschlag. "Meine Anteilnahme, mein Mitgefühl gilt den Familien." Er betonte, die Bundeswehr werde die Mission fortsetzen. "Wir werden weiterhin unseren Auftrag erfüllen, um zu Stabilität und Frieden in Afghanistan beizutragen." Das Attentat mache deutlich, dass Auslandseinsätze mit großen Risiken für Soldaten verbunden seien. Jung beendete wegen des Anschlags einen Aufenthalt in Dänemark vorzeitig. Außenminister Frank-Walter Steinmeier verurteilte den "brutalen Terroranschlag", der zeige, dass es in Afghanistan keine vermeintlich sicheren Zonen gebe. Einer ihrer Kämpfer habe sich nahe den deutschen Soldaten in die Luft gesprengt, sagte Taliban-Kommandeur Mullah Haiatullah Chan. Nach Angaben der afghanischen Behörden wurden bei dem Attentat auch sechs Zivilisten getötet und zwölf weitere verletzt. "Plötzlich hörten wir ein lautes Geräusch. Wir hatten Angst", berichtete ein Ladenbesitzer. "Wir sahen dicken Rauch und flüchtende Menschen."

Die Taliban hatten ihre Angriffe in den vergangenen Wochen verstärkt. Sie haben nach eigenen Angaben hunderte Selbstmordattentäter ausgebildet. Beim bislang folgenschwersten Anschlag gegen die Bundeswehr in Afghanistan waren im Juni 2003 vier Soldaten getötet und 29 verletzt worden, als ihr Bus auf der Fahrt zum Flughafen in Kabul von einem Selbstmordkommando angegriffen wurde. Derzeit sind knapp 3200 deutsche Soldaten vor allem in Nordafghanistan stationiert.

Nach dem neuen Anschlag entbrannte eine Debatte über einen Abzug der deutschen Truppen. Die Linksfraktion forderte die sofortige Heimkehr. Der Stabschef im Isaf-Hauptquartier, der deutsche General Bruno Kasdorf, warnte davor, den Einsatz in Frage zu stellen. Der Ansatz sei richtig, den Kontakt zur Bevölkerung zu suchen, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, unterstrich er in der ARD. Daran ändere der Anschlag in Kundus nichts.

Alle Parteien im Bundestag sprachen den Familien der Opfer ihre Anteilnahme aus. Der Verteidigungsexperte der Union, Bernd Siebert, forderte im Berliner Tagesspiegel am Sonntag eine bessere Ausstattung der Bundeswehr zum Eigenschutz. Sein SPD-Kollege Rainer Arnold erklärte, der Kontakt der Soldaten zur Bevölkerung gehöre zum Auftrag. Daher sei kein absoluter Schutz möglich.

Bei Kämpfen in der Provinz Kapisa im Süden Afghanistans starben in der Nacht nach Angaben der US-geführten Truppen vermutlich mehrere Dutzend Taliban. Im Bezirk Schinwar bei Dschalalabad tötete eine ferngezündete Bombe nach Aussage der örtlichen Behörden einen Polizeichef und einen weiteren Polizisten. Die Angriffe folgen auf den Tod des Militärchefs der Taliban, Mullah Dadullah, in Kämpfen mit den US-geführten Truppen. Die Taliban hatten zuletzt betont, Deutsche nicht von Anschlägen zu verschonen.