Der palästinensische Gazastreifen an der Grenze zu Ägypten ist gerade mal knapp doppelt so groß wie die amerikanische Hauptstadt Washington. Er ist nicht nur klein, sondern auch überfüllt: Gaza-Stadt zählt zu den dichtbesiedeltsten Gebieten der Erde. Etwa 1,4 Millionen Menschen leben hier. Ob des jahrzehntelangen Nahost-Konflikts, der stets besonders heftig im Gazastreifen ausgetragen wurde, scheinen Politiker und Medien müde, über die endlose Gewalt zu sprechen. Warum sollte man über diesen Ort schreiben, wenn es doch niemanden gibt, den man für die Situation verantwortlich machen oder den man zu einer Lösung des Konflikts drängen könnte? Palästinenser evakuieren einen Verwundeten nach einem istraelischen Raktenangriff auf Gaza-Stadt

Der Gazastreifen brennt. Dutzende Menschen wurden in den vergangenen Tagen in Gaza getötet, Opfer von Gesetzlosigkeit und der Rivalitäten zwischen der Hamas- und der Fatah-Bewegungen. Dabei ist der palästinensische Präsident Mahmud Abbas von der Fatah-Organisation bislang ebenso wenig in der Lage, die Gewalt zu stoppen, wie sein Ministerpräsident von der islamistischen Hamas, Ismail Hanija.

Seit ihrem Sieg bei den palästinensischen Wahlen im Januar 2006 verfügt die Hamas im Parlament über die absolute Mehrheit. Die Übernahme der Regierungsverantwortung kurze Zeit später war eine große Herausforderung für eine Gruppierung, die sich gerade erst entschlossen hatte im politischen System mitzuarbeiten. Die Enttäuschung über die Wahlniederlage hat sich in der Fatah-Organisation des verstorbenen ehemaligen Präsidenten Jassir Arafat rasch in Ausschreitungen niedergeschlagen.

Auch die Bildung einer Regierung der Nationalen Einheit vor knapp zwei Monaten konnte die schwelenden Konflikte nicht lösen. Derzeit entzünden sie sich vor allem an der Frage des  Sicherheitsapparats. „Es herrscht immer noch die Auffassung vor, dass derjenige, der den Sicherheitsapparat kontrolliert, auch das gesamte politische System dominiert. Das verdeutlicht, dass es sich trotz Demokratisierungsprozesses im Grundsatz noch um ein autoritäres System handelt", sagt Martin Beck, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Hamburger Institut für Nahost-Studien. "Alle Parteien gehen davon aus, dass das politische System über die Sicherheitskräfte kontrolliert wird."

Tatsache ist, dass in Wirklichkeit niemand, weder die Hamas, noch die Fatah-Organisation, dem demokratischen Prozess traut. Dabei könnte eine gegenseitige Vertrauensbasis auch einen Ausweg aus der momentanen Situation aufzeigen. Bis dato bedeutet die Waffenniederlegung in den Augen der rivalisierenden Gruppierungen vor allem ein Einflussverlust. Auf gewaltlose Mittel, wie Wahlen oder die Rekrutierung neutralen Sicherheitspersonals, mag so recht niemand bauen.

Wie reagiert die israelische Regierung darauf? Mit der gegenwärtigen massiven Militäraktion gegen Stellungen der Hamas in Gaza versucht der unter Druck geratene Premier Ehud Olmert seine persönliche Machtstellung zu halten. Ohne dabei allerdings einen ausgereiften Plan im Hemdsärmel zu haben.

Auch die internationale Gemeinschaft ist an der Eskalation nicht ganz unschuldig. "Ein Grund für die Verschärfung des Konflikts ist die Ablehnung der Hamas-Regierung durch die USA ", sagt Beck. Andererseits wirft auch die Hamas der Fatah Kollaboration mit den Amerikanern vor. Abgesehen davon, dass Anti-Amerikanismus schon immer ein beliebtes Instrument der arabischen Rhetorik gewesen ist, gibt es in der Person Mahmud Abbas' tatsächlich eine Verbindung: Schließlich war er schon unter Jassir Arafat anerkannter Gesprächspartner der USA. Angesichts der festgefahrenen Situation werden die Amerikaner auf lange Sicht nicht darum herumkommen, auch die Hamas als Gesprächspartner einzubeziehen.