Kämpfer der radikal-islamischen Palästinensergruppe Hamas haben bei einem Angriff auf ein Haus eines Sicherheitschefs der gegnerischen Fatah in Gaza sechs Wachleute getötet. Zehn weitere Männer seien verletzt, sagte ein Sprecher der Fatah-Organisation von Palästinenserpräsident Machmud Abbas am Mittwoch.  Aus palästinensischen Polizeikreisen verlautete, mehrere Dutzend Hamas-Leute hätten das Haus von Abu Schbak am frühen Morgen attackiert. Bei dem mehr als einstündigen Kampf wurde das Gebäude in Brand gesetzt. Abu Schbak selbst war am Morgen nicht in dem Haus, seine Familie konnte in Sicherheit gebracht werden.

Hamas und Fatah liefern sich einen blutigen Machtkampf, der zwei Monate nach der Bildung einer Einheitsregierung wieder aufgeflammt ist. Dem Geheimdienstchef Abu Schbak wirft die Hamas vor, sich der Führung des Innenministers der Einheitsregierung widersetzt zu haben.
Der Sicherheitschef hat zudem das Kommando über Einheiten, die in den Machtkampf eingriffen haben. Bei den anhaltenden Kämpfen zwischen Aktivisten von Hamas und der Fatah-Organisation wurden am Dienstag 16 Menschen getötet, die höchste Opferzahl seit den neuerlichen Kämpfen am Wochenende.

Zwar hat der palästinensische Ministerpräsident Ismail Hanija von Hamas am späten Dienstagabend eine neuerliche Einigung auf eine Waffenruhe mit der Fatah verkündet, bislang jedoch ohne Konsequenzen. Es war bereits die dritte Vereinbarung dieser Art in den vergangenen Tagen.

Israel wird nach Medienberichten trotz des massiven Raketenbeschusses seines Grenzgebiets aus dem Gazastreifen vorerst nicht militärisch reagieren. Wie die israelische Tageszeitung Haaretz unter Berufung auf Regierungskreise berichtete, habe sich
Verteidigungsminister Amir Perez bei einer Sitzung mit ranghohen Militärs in der Nacht zum Mittwoch zur Zurückhaltung entschlossen. Am Dienstag hatten militante Aktivisten der radikal-islamischen Hamas mehr als 20 sogenannte Kassam-Rakten auf die Stadt Sderot und damit auf israelisches Gebiet gefeuert. Dabei waren mindestens vier Israelis verletzt worden, 20 weitere erlitten Schocks.

Dem Bericht zufolge kamen israelische und palästinensische Sicherheitsexperten in der Bewertung überein, dass die Hamas mit den Angriffen auf Israel den innerpalästinensischen Konflikt eindämmen wolle, indem sie eine israelische Militäraktion provoziere und so die rivalisierende Fatah zum Kampf gegen einen gemeinsamen Feind zwinge.

"Wir wollen nicht am innerpalästinensischen Machtkampf teilnehmen", sagte Verteidigungsminister Amir Perez nach Angaben des israelischen Onlinedienstes ynet bei der Sitzung. Dennoch könne es Israel nicht zulassen, dass seinen Bürgern Schaden zugefügt werde.

Unterdessen wurde in der Nacht zum Mittwoch in Gaza ein ägyptischer Vermittler in dem Palästinenserkonflikt angeschossen. Wie israelische Medien berichteten, war der Mann zusammen mit hochrangigen Vertretern von Hamas und der Fatah in der Stadt
unterwegs, um die Einhaltung einer zuvor vereinbarten Waffenruhe zu überwachen. Er habe eine Schussverletzung an der Hand erlitten. Wer die Schüsse abgab, ist bislang nicht bekannt.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich "tief besorgt" über die anhaltende Gewalt zwischen den Palästinensergruppen. "Ich werde das mit Palästinenserpräsident (Machmud) Abbas besprechen", sagte Ban am Dienstag vor Journalisten in New York. Alle nötigen Maßnahmen müssten ergriffen werden, "um die Situation unter Kontrolle zu halten und all diese Gewalttaten zu unterbinden".