Israel hat in der Nacht zum Dienstag die Luftangriffe auf Ziele der radikalen Hamas im Gazastreifen fortgesetzt. Zudem hat die Armee am Dienstag die Palästinensergebiete abgeriegelt. Damit sollen Selbstmordanschläge während eines kommenden jüdischen Feiertages verhindert werden.

Bei den jüngsten Angriffen nach dem Tod einer Israelin in Sderot durch palästinensischen Raketenbeschuss nahm die Armee unter anderem eine Metallgießerei ins Visier. Berichte über Opfer lagen zunächst nicht vor. Die Armee teilte mit, in der Gießerei habe die Hamas Waffen produziert. Zudem sei ein Gebäude bombardiert worden, das von der radikalen Gruppe Volkswiderstandskomitee als Kommando-Zentrale benutzt worden sei.

Die beiden Gruppen haben zusammen mit dem Islamischen Dschihad die Verantwortung für den Vorfall in Sderot übernommen. Die Frau ist das erste Todesopfer durch Raketenbeschuss der Palästinenser auf Israel seit November vergangenen Jahres.

Ein israelischer Minister forderte angesichts des zunehmenden Raketenbeschusses die gezielte Tötung von Anführern der regierenden Hamas-Bewegung. "Ich mache keinen Unterschied zwischen denjenigen, die die Raketenangriffe ausführen, und denjenigen, die die Befehle geben", sagte Infrastruktur-Minister Binjamin Ben-Elieser Radio Israel. "Ich sage, wir müssen sie alle ins Fadenkreuz nehmen." Noch deutlicher sprach am Montag der Minister für Innere Sicherheit, Avi Dichter: Israel werde sich den Exilchef der Palästinenser-Organisation, Chaled Maschaal, "bei der erstbesten Gelegenheit vom Hals schaffen". Auch Hamas- Ministerpräsident Ismail Hanija könnte ein Ziel werden, sollte es Belege dafür geben, dass er Raketenangriffe auf Israel persönlich anordne.

Israels Außenministerin Zipi Liwni sprach bei einem Besuch in Sderot von einer unerträglichen Situation. Liwni war am Montag in der Grenzstadt mit dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana zusammengetroffen. Wenige Stunden später griff die Armee das Haus eines Hamas-Politikers aus der Luft an und tötete acht Menschen. Der Politiker selbst blieb unverletzt.

Aus Protest gegen den Angriff gingen Tausende von Hamas-Anhängern auf die Straße und schworen Rache für den Tod der Menschen. "Wir werden diesen Weg beibehalten bis wir eins der beiden Ziele erreicht haben - den Sieg oder den Märtyrertod", sagte Regierungschef Hanija am Grab der Opfer. Die islamische Miliz drohte Israel zur Vergeltung mit einem Schlag, der einem Erdbeben gleichen werde.