"Ich kündige heute an, dass ich als Präsident der Weltbank zum 30. Juni zurücktrete", teilte Paul Wolfowitz am Donnerstag mit. Zuvor war selbst sein letzter Verbündeter, US-Präsident George W. Bush, auf Distanz zu dem früheren US-Vizeverteidigungsminister, Architekt des Irak-Krieges und neokonservativen Vordenker gegangen. Damit war klar: Wolfowitz war nicht mehr an der Weltbank-Spitze zu halten. Der internationale Druck war zu groß. Zum Schluss ging es nur noch um eine Formulierung des Weltbank-Exekutivrates, wenigstens den Schein eines würdigen Abgangs für den 63-Jährigen zu wahren.

Vor allem den Kampf gegen die weltweite Korruption hatte sich Wolfowitz in seiner gerade einmal zweijährigen Amtszeit auf die Fahnen geschrieben , was die Affäre um die Beförderung seiner Lebensgefährtin besonders pikant machte. Weil Weltbank-Mitarbeiter "in romantischen Beziehungen" nach den Statuten nicht in einem beruflichen Abhängigkeitsverhältnis stehen dürfen, kümmerte sich Wolfowitz um die Versetzung seiner ebenfalls bei der Organisation beschäftigten Freundin - inklusive einer großzügigen Gehaltserhöhung um 36 Prozent auf 180.000 US-Dollar und einer garantierten Aufstockung von acht Prozent pro Jahr für die 52-Jährige.

Zwar räumte Wolfowitz schon Mitte April ein, mit seinem Eingreifen in die Gehaltsverhandlungen einen Fehler begangenen zu haben, doch hatten sich seine Gegner längst in Stellung gebracht. Vor allem die Europäer im Exekutivrat ließen keine Zweifel, dass sie auf einen Rücktritt des "Falken" bestehen würden. Vor allem den USA ging es schließlich nur noch um eine sorgfältig formulierte Erklärung des Weltbank-Führungsgremiums, damit der Abgang des Bush-Vertrauten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht allzu kläglich geriet.

"Dankbar" sei man für die Dienste, die Wolfowitz der Weltbank geleistet habe, steht in der einseitigen Erklärung der Direktoren. Vieles sei erreicht worden in den vergangenen zwei Jahren. Es sei sein "Sinn für Pflicht und Verantwortlichkeit", der zu der Rücktritterklärung vom Donnerstag geführt habe. "Wir danken Herrn Wolfowitz für seine Führung und seinen Einsatz für die Weltbank in zahlreichen Bereichen", heißt es in der Erklärung, die nach Aussagen von Bankmitarbeitern in zähem Ringen um Worte entstand.

Als der deutsche Exekutivdirektor Eckhard Deutscher sich kurz nach der Rücktrittsankündigung mit Journalisten traf, klang indes alles recht anders. Untragbar sei Wolfowitz geworden, er habe falsche Darstellungen des Sachverhaltes in der Presse gebilligt, ohne Rücksicht auf Schaden für die Bank um seinen Posten gekämpft und Vertraulichkeitsregeln des Direktoriums verletzt. Zwar steht in der Erklärung des Direktoriums, es habe die Versicherung von Wolfowitz, in gutem Glauben gehandelt zu haben, akzeptiert. "Aber wir haben es ihm nicht wirklich abgenommen", sagte Deutscher.

Wolfowitz wird nun nicht an dem G-8-Finanzministertreffen an diesem Wochenende in Potsdam teilnehmen, hieß es im Umfeld der Weltbank. Die internationale Hilfsorganisation Oxfam forderte, der nächste Weltbank-Präsident müsse in einer "anständigen und nachvollziehbaren" Weise ernannt werden. "Die USA und die anderen reichen Länder müssen jetzt zeigen, dass sie es ernst meinen mit einer verantwortungsbewussten Führung der Weltbank", sagte Bernice Romero von Oxfam.