Umbau der Montessori-Schule Heidelberg: 20.000 Euro. Aids-Hilfe Stuttgart, Ausbau der Geschäftsstelle: 40.000 Euro. Öko-Korn-Nord in Betzendorf, Kauf eines Lagers: 200.000 Euro. Das sind drei von knapp 300 Krediten, die die GLS Bank im zweiten Halbjahr 2006 vergab. Die Kreditnehmer allein sind schon ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher aber ist, dass jeder wissen kann, wer hier wie viel Geld bekommt. Und auch, was damit passieren soll.

Zu lesen ist alles in der firmeneigenen Zeitschrift Bankspiegel . Dort hinein schreibt die GLS Bank jeden Kredit und verschickt das Heft an alle ihre 52.000 Kunden. Die erste und größte ethisch-ökologische Bank in Deutschland mit Sitz in Bochum wirtschaftet so transparent wie kein anderes Geldinstitut. "Wir haben es noch nie erlebt, dass jemand eine Veröffentlichung abgelehnt hat", bestätigt Vorstandssprecher Thomas Jorberg. "Im Gegenteil, die Unternehmen freuen sich, dass ihre Kreditwürdigkeit so offen mitgeteilt wird."

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Seinen Ursprung findet solches Denken in der Anthroposophie Rudolf Steiners. Aus seinem Geist erwuchs eine Bank, die erklärtermaßen der Gewinnsucht trotzen will. "Wir arbeiten mit Menschen und Organisationen zusammen, die ebenso wie wir gesellschaftlich aktiv sind und für sich und andere, unabhängig von Herkunft und Weltanschauung, Verantwortung übernehmen." Das haben die Gründer in ihr Leitbild geschrieben. Joberg formuliert es so: "Für uns stehen soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement im Zentrum der Geschäftpolitik."

Zunächst allerdings ist sein Institut vor allem: eine Bank. Wie überall eröffnen ihre Kunden Girokonten, nutzen Sparbriefe oder Sparkonten, kommen in den Genuss von vermögenswirksamen Leistungen, investieren in Fonds oder schließen Lebens- und Rentenversicherungen ab. Doch die GLS Bank bietet einen besonderen Mehrwert: Die Kunden dürfen ein gutes Gewissen haben. Denn angelegt wird ihr Geld nur bei den "Guten". Das sind nach Definition des Geldhauses unter anderem: Existenzgründer in der Biobranche, alternative Schul- oder Kulturinitiativen, Wohn- oder Seniorenprojekte oder auch wachsende Unternehmen der Erneuerbare-Energien-Branche.

Geld und Transparenz, Finanzen und Moral. Die GLS Bank bringt Begriffspaare zusammen, die einander sonst häufig ausschließen. Sie macht ihre Geldgeschäfte konsequent von ethischen Kriterien abhängig und fährt gut damit. Die Kunden vertrauten dem Institut im vergangenen Jahr 568 Millionen Euro an, 19 Prozent mehr als 2005. Die Bank, 1974 gegründet, wuchs in den vergangenen Jahren jeweils um 12 bis 20 Prozent. Auch ihre 120 Mitarbeiter sind zufrieden. Hektik und Umsatzdruck spürt man nicht in den lichten Fluren und Büros. Kaum einer kommt im Anzug; und um 10 Uhr wird gemeinsam gefrühstückt.

Was man bei aller Harmonie nicht vergessen darf: Die GLS Bank besetzt eine zwar komfortable, aber kleine Nische. Im Jahr 2006 hatte sie ein Geschäftsvolumen von 856 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank wies eine Bilanzsumme von 1.126 Milliarden Euro aus, selbst kleine Sparkassen setzen deutlich mehr um als die Bochumer Bank. Das rückt die Verhältnisse zurecht. Aber: "Unsere Zielgruppe liegt momentan bei acht bis zehn Millionen Menschen in Deutschland und wächst ständig. Es sind die Postmateriellen und Kulturkreativen, um einmal die Begriffe der Umfrageunternehmen zu verwenden", sagt Jorberg. Natürlich, auch das räumt er ein, werden nicht all diese Menschen demnächst bei ihm ein Konto eröffnen. "Aber 20 Prozent Wachstum wie im vergangenen Jahr erwarten wir auch weiterhin."