Ursula von der Leyen ist umgefallen. Zumindest sieht es so aus. Am Freitagmorgen noch berichtete die Berliner Zeitung , die Familienministerin widersetze sich der CSU und weigere sich, das aus Bayern geforderte und von einer Koalitionsrunde vergangene Woche grundsätzlich vereinbarte Betreuungsgeld gesetzlich zu verankern. Wenige Stunden später dementierte von der Leyen dies. "Die Meldungen, der Erziehungsbonus würde nicht umgesetzt, sind hanebüchen", sagte sie. "Die Aussagen aus dem Koalitionsausschuss sind für mich bindend und werden sich im Gesetzentwurf wiederfinden."

Worum geht es? Um das von Kritikern als "Herdprämie" oder auch Kita-Verhinderungs-Bonus geschmähte Ansinnen der CSU, nicht nur die Betreuung in Kinderkrippen auszubauen, sondern parallel einen Zuschuss an diejenigen Eltern, also vor allem Mütter, zu zahlen, die ihre Kinder gerade nicht in die Krippe geben, sondern zu Hause selber versorgen. Eine paradoxe Forderung also, die vor allem die konservativen Anhänger des traditionellen Familienbildes beschwichtigen sollte, denen die staatlichen Krippen suspekt sind, die aber prompt auf Protest beim Koalitionspartner SPD und der Opposition stieß. Eigentlich geht es bei dem Streit jedoch ums Schachern.

Bei der Einigung auf die neuen Krippenplätze hatte die CSU ein Prämie von 150 Euro monatlich für die Eltern verlangt, die keinen Krippenplatz in Anspruch nehmen - den Staat also insofern entlasten. Nur dann, so das von Parteichef Edmund Stoiber eingesetzte Druckmittel, werde man einem Rechtsanspruch auf Krippenplätze zustimmen.

Aus der SPD war bisher jedoch immer dementiert worden, dass man sich überhaupt schon auf eine Summe geeinigt habe. Und nun meldete auch noch die Zeitung, eine solche Idee werde in von der Leyens Gesetzentwurf nicht auftauchen.

Mehrere CSU-Poliker meldeten sich daraufhin am Freitag wütend zu Wort, gilt in ihren Wahlkreisen doch fast als asozial, wer kleine Kinder dem Staat überlässt. Der Bonus sei fester Bestandteil der Vereinbarung, hieß es. Gebe es ihn nicht, werde Bayern dem Gesetz nicht zustimmen, drohte die bayerische Familienministerin Christa Stewens (CSU).

Sie müssen an diesem Freitag viel telefoniert haben zwischen München und Berlin. Die Form des Bonus’ sei nicht entscheidend, sagte schließlich ein Sprecher des Familienministeriums. Es könne sich dabei ja auch um eine Art Gutschein handeln, die Eltern bei den Kommunen oder sozialen Einrichtungen einlösen. Es gehe schließlich darum, dass die Zuwendungen den Kindern zu Gute kämen. Im Übrigen gebe es noch gar keine Entscheidung, wie genau die Vereinbarung über die Krippenplätze umgesetzt werde. Noch existiere kein Gesetzentwurf. Wenn er fertig sei, werde er alle Verabredungen der Koalition "vom Rechtsanspruch bis zum Erziehungsbonus" enthalten.