Wenn Dominik Reinhard das Berliner Olympiastadion betritt, wird der Nürnberger Verteidiger an das Pokalendspiel vor 25 Jahren denken. 1982 stand der "Club" gegen den Favoriten Bayern München zuletzt im Pokalfinale, führte mit 2:0 - und verlor am Ende dennoch. Neben diesem vereinshistorischen Hintergrund hat diese Partie für Reinhard eine individuelle Bedeutung: Sein Vater Alois spielte damals für die Nürnberger. Er war es, der mit Dieter Hoeneß zusammenprallte und diesen dazu zwang, mit einem blutdurchtränkten Turban die Partie fortsetzen.

Auch ein Vierteljahrhundert später ist Nürnberg im Endspiel Außenseiter. Die Bundesliga-Platzierungen lassen keine andere Prognose zu: Der VfB Stuttgart ist amtierender Meister, die Franken stehen in der Abschlusstabelle auf dem sechsten Tabellenplatz. Dieses Kräfteverhältnis spiegelt sich entsprechend im verbalen Vorspiel zum Finale wieder. Während Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer vorsichtig auf einen "Außenseitersieg" hofft, offenbart Stuttgart das Selbstbewusstsein eines Champions. Roberto Hilbert unterstreicht die Ziele der Schwaben: "Wir wollten den Pokal von Anfang an und den wollen wir auch jetzt, wo wir Meister sind".

Dabei hat Nürnberg durchaus einen guten Grund, optimistisch in die Partie zu gehen. Als einziges Team der Bundesliga konnte die Mannschaft von Trainer Hans Meyer Stuttgart zwei Mal besiegen.  Die dritte Niederlage binnen eines Jahres will der Meister indes nicht hinnehmen. "Das wird ein ganz anderes Spiel", meint Torwart Timo Hildebrand, der den Verein verlassen wird und sich einen krönenden Abschluss wünscht. Es wäre für den Verein der erstmalige Gewinn des Doubles.

Personell hat der VfB die besseren Karten. Coach Armin Veh kann auf alle Spieler zurückgreifen. Auch Stürmer Mario Gomez kann sich nach überstandener Verletzung Hoffnung auf einen Platz in der Startelf machen. Bei Nürnberg stehen hingegen mit Robert Vittek und Jaouhar Mnari zwei Nationalspieler im Kader, deren jeweiliger Einsatz unwahrscheinlich ist.

Für beide Mannschaften wäre es der vierte Titel im DFB-Pokal in der jeweiligen Vereinsgeschichte. Stuttgart gewann zuletzt 1997 das Endspiel in Berlin, damals gegen Energie Cottbus. Nürnberg gewann zwar 1935 den ersten ausgespielten Wettbewerb, doch der letzte Pokaltriumph liegt bereits 45 Jahre zurück. Mit einem diesjährigen Erfolg kann der Club die Pleite aus dem Jahr 1982 verdrängen. Vielleicht sogar Dominik Reinhard.