Sie sind mitten unter uns. Fest verankert im medizinischen und universitären System. Andreas Schmid und Lothar Heinrich, zwei Ärzte, die im Hauptberuf Freizeitsportler behandelten und als Oberärzte an der Universitätsklinik Freiburg tätig waren, an einem der renommiertesten Zentren für Sportmedizin in Deutschland. Zwei Mediziner, die im Nebenberuf Radsportler mit unerlaubten Mitteln zu Höchstleistungen trieben, die nebenbei ein System organisierten, das man doch in Deutschland eigentlich nur aus der Vergangenheit kannte, aus der DDR.

Wie damals wurde für den Erfolg einiges in Kauf genommen. Betrug an den Konkurrenten, Betrug am Sport, an den Fans - und an den gedopten Sportlern selbst. Jeder Arzt weiß, dass ein Mittel wie Epo nicht einfach nur die Anzahl der roten Blutkörperchen erhöht und damit die Ausdauer der Radfahrer verlängert. Er weiß auch, dass Epo Nebenwirkungen hat und die Gesundheit der Radfahrer, ja sogar ihr Leben gefährden kann. Doping mit Epo fördert akut die Entstehung von Thrombosen, und nach neueren Erkenntnissen erhöht es auch das Risiko von schweren Herz-Kreislauf-Schädigungen.

Die meisten Fahrer, die mit dem Mittel dopen, spüren nichts von dem, was es in ihrem Körper anrichtet. Sportler wie Erik Zabel, die nicht mit den Nebenwirkungen zurechtkommen und deswegen aufhören mit dem Epo-Doping, sind selten. Und wenn man keine negativen Konsequenzen spürt: Warum soll man auf das Mittel verzichten, das einen den Berg hinaufträgt? Der Arzt aber weiß es besser. Er muss den Fahrer vor seinem eigenen Ehrgeiz schützen und seinem Drängen nach solch Leistung steigernden Mitteln widerstehen. Auch wenn der ihn anfleht, ihm das Präparat zu geben. Und auch wenn das bedeutet, dass sein Team keinen Erfolg hat, dass es keine Siege bei der Tour de France herausfährt.

Denn einer der wichtigsten ärztlichen Grundsätze lautet: primum non nocere - vor allem nicht schaden. Einem gesunden Radfahrer spritzt man also kein Epo - jedenfalls nicht, wenn man seine Profession richtig versteht.

Bis jetzt hatten die Ärzte der Freiburger Universitätsklinik wohl Glück, weil ihre Doping-Taten noch niemanden das Leben gekostet haben. Bis jetzt handelt es sich bei den Vergehen, die sie bis jetzt gestanden haben, nur um Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz. Für die müssen sie vielleicht noch nicht einmal vor Gericht, weil sie womöglich verjährt sind.

Aber wie im Falle der DDR-Mediziner werden die Untaten auch auf ihnen ein Leben lang lasten. Sie werden mit ihrem Geständnis das Kapitel nicht einfach abschließen können. Denn nach neuen Erkenntnissen hat die Einnahme von Epo womöglich nicht nur akute lebensbedrohliche Folgen, sondern auch solche, die sich erst sehr viel später offenbaren: In Studien kam heraus, dass es das Wachstum von Krebs fördern kann. Wenn gedopte Fahrer von dieser Nebenwirkung betroffen wären, würde sich das erst in einigen Jahren zeigen.

Wir beantworten Ihre Fragen: Was wollten Sie schon immer über das Thema Doping wissen? Bitte vergessen Sie nicht, Ihren Namen anzugeben.