Rund zehn Tage vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm haben sich hunderte Demonstranten heftige Auseinandersetzungen mit der Hamburger Polizei geliefert. Nach zunächst friedlichen Protesten von nach Polizeiangaben etwa 4000 Demonstranten am Montag gegen das Außenministertreffen europäischer und asiatischer Staaten (Asem) brannten im Schanzenviertel der Hansestadt Barrikaden. Die Polizei erstürmte mit Wasserwerfern die Straßensperren und verfolgte flüchtende Autonome.

Die Proteste gegen das Asem-Treffen (Asia-Europe-Meeting) waren zuvor als eine Art Generalprobe für Heiligendamm angekündigt worden. Ein Sprecher des Veranstalters, eines internationales Bündnisses von Globalisierungskritikern, schätzte die Zahl der Teilnehmer auf knapp 6000.

Mehrere tausend Polizeibeamte waren deshalb im Einsatz. Die Situation eskalierte erst am Montagabend, als einige hundert Demonstranten neben dem Veranstaltungszentrum "Rote Flora" eine Barrikade aus Baumaterial in Brand setzten. Die Polizei, die mit 2800 Beamten im Einsatz war, ging mit vier Wasserwerfern vor. Insgesamt wurden 84 Demonstranten festgenommen oder kurzzeitig in Gewahrsam genommen. Einigen von ihnen werden Landfriedensbruch, Angriffe auf Polizisten oder die Herstellung von Molotow-Cocktails vorgeworfen. Zwei Beamte und zwei Demonstranten wurden nach Polizeiangaben bei den Auseinandersetzungen verletzt. 150 Polizisten erlitten Augenreizungen, weil sie mit Reizgas angegriffen worden seien.

Nachdem die Organisatoren die Demonstration am späten Nachmittag vorzeitig für beendet erklärten, waren vereinzelt Flaschen und Leuchtkörper auf die Beamten geworfen worden. Daraufhin setzte die Polizei Wasserwerfer ein und drängte die Demonstranten Richtung Schanzenviertel ab, wo es in den vergangenen Wochen häufiger Ausschreitungen gegeben hatte.

Die Gegner des Außenministertreffens trugen Spruchbänder mit Parolen wie "G8 und Asem-Gipfel angreifen", "Kein Friede mit den herrschenden Verhältnissen" oder "Kapitalismus wegtanzen". Zudem skandierten sie "Wir sind alle 129a". Damit spielten die Demonstranten auf die Polizeirazzien vom 9. Mai an, bei denen in mehreren Städten Büros und Wohnungen von Gegnern des G8-Gipfels durchsucht worden waren. Die Bundesanwaltschaft hatte die Durchsuchungen auf den Artikel 129a des Strafgesetzbuches gestützt, der die Bildung einer terroristischen Vereinigung unter Strafe stellt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßte, dass viele Menschen durch Aktionen und Proteste ihr Interesse an einer gerechten Globalisierung deutlich machten, rief aber gleichzeitig in ihrer wöchentlichen Videobotschaft zum Gewaltverzicht auf. Gewalt dürfe kein Mittel sein zur Durchsetzung politischer Ziele: "Deshalb müssen wir sicherstellen, dass es zu keinen Gewaltanwendungen kommt", sagte Merkel. Sie bitte alle, die sich für eine menschliche Globalisierung engagierten, zu einem friedlichen Ablauf der Proteste und zur Vermeidung von Gewaltanwendung beizutragen.

Wie Merkel äußerte auch Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble Sympathie für Demonstrationen. Wenn Bürger "aufmerksam machen wollen, dass es nicht so weiter gehen kann mit Afrika oder mit der Klimapolitik, dann ist das nur zu begrüßen", sagte er der Bild am Sonntag . Die Sicherheitsmaßnahmen verteidigte Schäuble ebenfalls. In der Welt am Sonntag sprach er von einer "fast schon hysterischen Aufregung".