Bei der deutschen Wirtschaft herrscht weiterhin gute Stimmung: der Geschäftsklimaindex verharrte im Mai unverändert auf dem hohen Niveau von 108,6 Punkten. Das teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag in München mit.

Ungeachtet der hohen Ölpreise, des starken Euros und der Mehrwertsteuererhöhung liegt das Konjunkturbarometer damit weiter nur knapp unter dem Stand vom Dezember 2006. Damals hatte der ifo-Index mit 108,7 Punkten den höchsten Stand seit Beginn der gesamtdeutschen Erhebung im Jahr 1991 erreicht. Nach Einschätzung von ifo-Präsident Hans-Werner Sinn bleiben die Konjunkturaussichten unverändert gut.

Die rund 7000 befragten Unternehmen sehen ihre Zukunftsaussichten optimistischer als noch im April. Die aktuelle Lage beurteilten sie dagegen negativer. In der Industrie hellte sich die Stimmung auf. Die Unternehmen rechnen sich für die kommenden Monate noch bessere Exportchancen aus. Auch der Großhandel schnitt etwas besser ab als im Vormonat. Dagegen trübte sich das Klima im Einzelhandel und am Bau ein. Volkswirte hatten das Anhalten des Stimmungshochs erwartet. Der ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

Auch das Statistische Bundesamt teilte am Donnerstag in Wiesbaden mit, dass die deutsche Wirtschaft trotz der Anhebung der Mehrwertsteuer kräftig zulegt. Allerdings hat der Steuerzuschlag zum Jahreswechsel den privaten Konsum im ersten Quartal deutlich gebremst. Im ersten Quartal gingen die privaten Konsumausgaben im Vergleich zum Vorquartal um 1,4 Prozent zurück. Hier erwarten Volkswirtschaftler im Laufe des Jahres nicht zuletzt aufgrund guter Tarifabschlüsse eine Besserung. Impulse gab es im
ersten Quartal von den Investitionen. In Ausrüstungen wurde 5,5 Prozent mehr investiert, in Bauten 3,5 Prozent mehr.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg in den ersten drei Monaten 2007 kalender- und saisonbereinigt real um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. Gegenüber dem ersten Quartal 2006 ergibt sich ein Wachstum von 3,3 Prozent. Rechnet man hier heraus, dass dieses Jahr ein Arbeitstag weniger zur Verfügung stand, bedeutet dies sogar
ein Plus von 3,6 Prozent.

Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2006 war die Wirtschaft um 2,8 Prozent gewachsen, kalenderbereinigt um 3,0 Prozent. Dies bedeutete das stärkste Plus seit sechs Jahren. Für das vierte Quartal 2006 korrigierte das Bundesamt seine Berechnungen leicht nach oben und gab nun ein Plus von 1,0 Prozent an. Das BIP ist der Wert aller hergestellten Güter und Dienstleistungen. Nach der ersten Veröffentlichung der BIP-Zahlen Mitte Mai hatten die meisten großen Banken ihre Prognosen angehoben und sagen nun für dieses Jahr ein Wachstum von gut 2,5 Prozent voraus. Auch 2008 soll der Aufschwung weitergehen.

Erbracht wurde die Wirtschafsleistung im ersten Quartal von 39,0 Millionen Erwerbstätigen, das waren 569.000 Menschen oder 1,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitsproduktivität pro Arbeitsstunde stieg um 1,4 Prozent. Da die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden leicht anstieg, lag die Produktivität pro Erwerbstätigem sogar um 1,8
Prozent höher als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg der durchschnittlichen Arbeitsstunden ist laut Bundesamt vor allem auf die zunehmend positive Entwicklung bei der Vollzeitbeschäftigung zurückzuführen.

Der Außenhandel war in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorquartal keine Stütze der Wirtschaft: Die Exporte gingen um 1,2 Prozent zurück, die Importe stiegen um 3,7 Prozent. Damit ergibt sich laut Bundesamt rechnerisch ein Wachstumsdämpfer von 2,0
Prozentpunkten. Allerdings sei diese Entwicklung maßgeblich mit überhöhten Werten im vierten Quartal 2006 durch Nachmeldungen zu erklären. Im Jahresvergleich stiegen die Exporte im ersten Quartal 2007 mit 9,6 Prozent stärker als die Importe mit 8,0 Prozent.