"In der Bevölkerung ist die Solidarität mit den Demonstranten gleich Null." Peter Hoppe ist sich da ganz sicher. Hoppe ist Pressesprecher der Sondereinheit der Polizei, die den Gipfeleinsatz leitet. Er erzählt von einem kleinen Dorf an der mecklenburgischen Küste, Bollhagen, das außerhalb der "Sicherheitszone" liegt, also außerhalb des Zaunes, der den G8-Gipfel schützen soll. Die Bollhagener, erzählt Hoppe, seien an ihn herangetreten und hätten sich beschwert: Auch sie wollten hinter den Zaun. Aus Angst vor den so genannten "Chaoten", zum Schutz ihrer Häuser und Felder.

Und tatsächlich, Hoppe hat recht: Den Heiligendammern ist mulmig, denken sie an das bevorstehende Ereignis. Lediglich über zwei Landstraßen und zwei geteerte Feldwege ist das winzige Seeheilbad zu erreichen. Und die wollen die G8-Gegner ebenso dauerhaft wie hermetisch blockieren.

Heiligendamm hat keine Schule, auch keinen Supermarkt. Die Dorfbewohner haben sich entschieden, ihre Kinder während der Gipfel-Zeit nicht zur Schule ins nächste Dorf zu schicken. Vor Wochen schon mussten die Menschen, die innerhalb des Zaunes leben, "Berechtigungskarten" beantragen. Ohne die darf man Heiligendamm ab dem 1. Juni nicht mehr betreten.

Das Hauptquartier der Gipfelgegner befindet sich rund 20 Kilometer östlich von Heiligendamm, in Rostock-Evershagen: Nach langer Debatte hat die Stadt den Globalisierungsgegnern eine ehemalige, baufällige Schule als Versammlungszentrum zur Verfügung gestellt. Evershagen ist ein typischer Sattelitenstadtteil der DDR. Entstanden in den frühen 70er Jahren, in der Hochphase sozialistischer Planungseuphorie: Das Stadtteilbild ist geprägt von Plattenbauschluchten. Mehr als 15.000 Einwohner leben hier. Es gibt nur ein einziges Restaurant.

An den Wänden des Schulgebäudes hängen Poster und Transparente. "Block G8", steht auf dem einen. "Unser Haus könnt ihr zerstören, aber nicht die Kraft, die es schuf", auf dem anderen. In der Mitte des Schulhofs parkt ein VW-Bus. Richtig belebt sieht es nicht aus. Hier also soll die Schaltzentrale des Widerstands sitzen? Die Vereinigung, vor der ganz Heiligendamm, Merkel, Putin und der Rest der Welt Angst haben?

In der früheren Aula hocken drei junge Männer auf dem Fußboden. Sie zerklopfen mit Hämmern bunte Steine. Hier entsteht "ein Kunstwerk, um die Frontwand der Schule zu verschönern", erfahren wir später. Sie haben nichts dagegen, wenn Journalisten sie besuchen: "Oben ist schon ein Kamerateam", sagt ein aufgeschlossener 17-Jähriger, lange Haare, Nickelbrille.