Größer könnten die Unterschiede zwischen Deutschlands dritthöchsten Fußballklassen kaum sein. Im Norden feierte der FC St. Pauli mit Zehntausenden Fans am Wochenende die Rückkehr in den Profifußball. Mit Magdeburg, Osnabrück und Wuppertal hoffen drei weitere Traditionsvereine auf den Aufstieg. Im Süden herrscht dagegen seit Wochen Langeweile – die Dorfvereine TSG Hoffenheim und SV Wehen können seit Anfang Mai für die Zweite Bundesliga planen. Ihren Erfolg verdanken sie dem neuen Typus des nachhaltigen Mäzens, für den der Klub kein Spielzeug, sondern Fortsetzung erfolgreichen Unternehmertums ist.

Im badischen Hoffenheim engagiert sich Dietmar Hopp, Mitgründer der SAP, mehrfacher Milliardär. Sein Geld fließt schon länger in den Sport der Region: Eishockey, Golf und Handball zählen zu den Empfängern. Hopp hat nun eine Zwischenstufe seines Projektes erreicht: den Profifußball. Das langfristige Ziel geht weiter – und allen Verantwortlichen seit Monaten schon problemlos von den Lippen: "Bundesliga". Die Mitarbeiter des ehrgeizigen Projekts sind echte Hochkaräter. Trainer Ralf Rangnick, seit jeher von der Aura eines Professors umgeben, trainierte zuvor Schalke 04 und den VfB Stuttgart. Direktor für die Nachwuchsförderung ist der ehemalige Hockey-Nationaltrainer Bernhard Peters, den im WM-Sommer noch Klinsmann als Spiritus Rector haben wollte. Über Geld wird in Hoffenheim nicht gesprochen. Alle Beteiligten betonen die Einzigartigkeit und die sehr guten Arbeitsbedingungen des Projekts.

Entsprechend ärgert Hopp nichts mehr als der Vergleich mit Roman Abramowitsch. Er verweist auf die gute Jugendarbeit des Klubs und die Investitionen in die Infrastruktur. Tatsächlich spielen die A-Junioren des Vereins in der Bundesliga, und auch der Profi-Kader des Aufsteigers zählt eine Reihe junger deutscher Spieler. Garanten des Aufstiegs waren jedoch tatsächlich zwei ehemalige Bundesligaprofis: der 33-jährige Ex-Frankfurter Copado und der 34-jährige Maric schossen zusammen 21 Tore. Auch in die Infrastruktur wird kräftig investiert: Bis 2009 entsteht eine neue Fußballarena mit 30.000 Plätzen, direkt an der Autobahn in Sinsheim. So sollen auch die Zuschauer aus dem nahe gelegenen Heidelberg und Heilbronn angesprochen werden. Das wird auch nötig sein, denn bisher kamen nur 3.000 Fans zu den Spielen der Mannschaft.

Im hessischen Wehen ist alles noch mal eine Nummer kleiner, obwohl der Verein sogar 7 Punkte mehr holte als Hoffenheim. Heinz Hankammer, immerhin Millionär durch den massenhaften Verkauf von Wasserfiltern, ist seit Beginn der achtziger Jahre Vorsitzender des Vereins, damals spielte der Klub noch in der Kreisliga. Der familiäre Zusammenhalt aus dieser Zeit ist erhalten geblieben: Zwar verließ Trainer Vasic Wehen mitten in der Saison, um eine Liga höher in Braunschweig anzuheuern. Sein erfolgloses Gastspiel endete allerdings nach fünf Niederlagen mit der Entlassung. Zur neuen Saison darf Vasic als Sportdirektor nach Wehen zurückkehren, was den Gesetzten der Branche nicht unbedingt entspricht.

Nachdem sich selbst zum entscheidenden Aufstiegsspiel in Wehen nur 1000 Zuschauer im Stadion einfanden, geht der hessische Dorfclub nun einen konsequenten Weg, der mit dem von Hoffenheim zu vergleichen ist: Die Dorfclubs verlassen ihre Dörfer. Wehen zieht zur neuen Saison um – in die 15 km entfernte Landeshauptstadt nach Wiesbaden. Mit den Millionen des Vorsitzenden wird dort eine Arena für 14.000 Zuschauer hergerichtet, die zweitligatauglich ist und den Namen von Hankammers Firma tragen wird.

Die beiden Dorfvereine stehen für eine neue Qualität des Mäzenatentums. Gut kannte man bisher den hemdsärmeligen Patriarchen, reich geworden mit dem Verkauf von Teppichen, Fleisch oder Parfüm, der nach Gutdünken altgediente Trainer und Spieler mit großem Geld lockte. An dessen Stelle tritt – zumindest in Wehen und Hoffenheim – der visionäre Projektmanager, der stärker als am kurzfristigen Prestige-Erfolg an Nachhaltigkeit interessiert ist. Deswegen investiert er in Jugendarbeit und Infrastruktur.