Das Jahr 2007 soll für Sinn Fein, die Partei des irischen Republikanismus, einen weiteren Durchbruch bringen. Die Partei fühlt sich im Aufwind der Geschichte. In Nordirland ist Sinn Fein bereits zur größten Partei der katholischen Minderheit aufgestiegen und sitzt nun in einer gewaltenteiligen Regierung mit den protestantischen Unionisten. Ihre Konkurrenz, die gewaltfreie katholische SDLP, die Social Democratic and Labourparty des Friedensnobelpreisträgers John Hume, wurde binnen weniger Jahre abgehängt. Nun soll der nächste Streich im Süden, in der irischen Republik, folgen.

Der Stimmenanteil von Sinn Fein, symbiotisch verbunden mit der IRA, ist in der Republik Irland im Laufe der vergangenen 10 Jahre stetig gewachsen und verhalf Sinn Fein zu den ersten Mandaten im Parlament von Dublin. Schon jetzt kann sich Sinn Fein eines einzigartigen Rekords rühmen: Als einzige Partei Europas sitzt sie in gleich 4 Parlamenten, in Dublin, in Belfast, in Westminster und im europäischen Parlament von Straßburg.

Die Strategen der republikanischen Bewegung blicken der heutigen irischen Parlamentswahl mit verhaltenem Optimismus entgegen. Das große Ziel ist die "Rückeroberung des Südens", wie sie es nennen. Das wird nicht auf einen Schlag gelingen. Aber anders als demokratische Parteien denkt Sinn Fein, straff nach dem leninistischen Prinzip des demokratischen Zentralismus organisiert, in langen Zeiträumen.

Die Führungsriege um Gerry Adams und Martin MacGuiness, seit mehr als 20 Jahren an der Macht, rechnet mit einem Ergebnis von mehr als 10 Prozent; wenn es ideal läuft, könnte die Partei gar zum potenziellen Königsmacher avancieren, in einer Koalitionsregierung mit Fianna Fail, der Partei des amtierenden Regierungschefs Bertie Ahern.

Trifft diese Konstellation ein, wäre ein weitere Etappe auf dem Weg zur Macht zurückgelegt. Gerry Adams, der sich in der Republik Irland hoher Popularität erfreut, plant seine Kandidatur bei den irischen Präsidentschaftswahlen im Jahre 2011. In katholischen Kreisen Nordirlands ist man davon überzeugt, dass Adams den Griff nach der Präsidentschaft als Teil einer gesamtirischen Eroberungsstrategie sieht. Nordirland, sagt der Autor Brian Rowan, sei für "einen Mann von seiner Statur zu klein".