Kommunalwahlen sind immer ein wichtiger Test für die Zentralregierung - auch in Italien, wo 10 Millionen Bürger in 27 Städten und sieben Provinzen neue Bürgermeister und Provinzpräsidenten wählten. Ein Jahr ist in Rom die Regierung Prodi im Amt. Ihr wollte Oppositionsführer Berlusconi mit diesen Wahlen den "entscheidenden Stoß" verpassen. Aber das Ergebnis ist ein anderes. Es gibt keinen klaren Sieger - nur eine Menge neue Gründe zur Besorgnis.

Da ist zum einen die nachlassende Wahlbeteiligung. 74 Prozent für die Kommunen, deutlich weniger als beim letzten Wahlgang. Es kam zu absurden Ergebnissen: So wählten in der Ortschaft Sambuco, Provinz Cuneo, nur 5 von 126 Berechtigten ihren Bürgermeister, dafür aber mit einer klaren Mehrheit von 80 Prozent. Für die Provinzwahlen interessierten sich gar nur 58 Prozent der Wahlberechtigten - ein deutliches Zeichen dafür, dass die anachronistischen Provinzverwaltungen, die kaum etwas entscheiden können, aber Unsummen kosten, dringend abgeschafft gehören.

Der Graben zwischen den Italienern und ihren Volksvertretern wächst von Wahl zu Wahl. Zuletzt beklagte Außenminister Massimo D'Alema das Desinteresse der Bürger an der Politik, während Unternehmerpräsident Luca di Montezemolo Gründe dafür nannte: Italiens Politiker seien unfähig, dem Land Visionen und neuen Schwung zu geben, der gesamte politische Apparat sei in sich erstarrt und zudem immens teuer. Vier Milliarden Euro gäben die Italiener jährlich für ihre Volksvertreter aus, rechnete Montezemolo vor - so viel wie Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien zusammen.

Doch nicht nur die Kosten verprellen die Bürger. Die endlosen Fusionsverhandlungen von Linksdemokraten und linken Christdemokraten zur neuen "Demokratischen Partei", das Gezeter um Führungsposten in einer Partei, die es noch gar nicht gibt - auch das geht vielen Wählern der linken Mitte gegen den Strich.

Besonders groß ist die Politikverdrossenheit im reichen Norden Italiens. Für Parolen gegen zu hohe Steuern und zu viele Ausländer sind die Bürger dort besonders sensibel. Sie rückten bei diesen Kommunalwahlen geschlossen nach rechts. Städte und Provinzen wie Como, Varese, Monza, Asti, Verona, Vicenza, Belluno und Gorizia entschieden sich für Kandidaten aus der Berlusconi-Partei oder gar der rechtspopulistischen Lega Nord.

Es gebe eine "Nordfrage", räumte am Dienstag Ministerpräsident Prodi ein - nur in Genua konnte die linke Mitte einen überzeugenden Sieg erringen. Im sizilianischen Agrigent setzten sie ebenfalls ihren Kandidaten durch, doch in Palermo hatte erst kürzlich der Kandidat der Forza Italia gegen das in die Jahre gekommene Antimafia-Symbol Leoluca Orlando gewonnen.