Vielerorts - auch in dieser Kolumne - ist der Boom am Markt der Anlagezertifikate kritisch betrachtet worden . Der Grund liegt nahe: Häufig greifen wenig erfahrene Anleger zu ebenso komplizierten wie intransparenten Zertifikatekonstruktionen, lassen aber breit streuende Investmentfonds links liegen, die sich eigentlich viel besser als Basisanlage eignen. Da drängt sich schnell der Verdacht einer Fehlentscheidung auf. Schließlich hat die Zertifikatebranche selbst ihr Image gründlich angekratzt, indem sie immer exotischere und undurchsichtigere Produktvarianten auf den Markt brachte.

Doch es wäre ungerecht, sämtliche Anbieter und Produktgattungen über einen Kamm zu scheren. Immerhin ist es ein gewaltiger Unterschied, ob einem unbedarften Anleger ein fragwürdiges Zertifikat als Basisanlage untergejubelt wird oder ob man bestimmte Zertifikate gezielt für die Optimierung des Chance-Risiko-Verhältnisses im Depot einsetzt.

Die Privatbank HSBC Trinkaus ließ 145 Vermögensverwalter zu ihrem Anlageverhalten befragen. Das Ergebnis: Die Profis schätzten, dass der Anteil der Zertifikate in den von ihnen betreuten Depots in den kommenden drei Jahren steigen werde, von derzeit rund zehn auf dann 15 Prozent. Der Anteil aktiv gemanagter Fonds hingegen werde von 31 auf 29 Prozent zurückgehen.

Fallen nun selbst Finanzprofis auf die Marketingtricks der Zertifikate-Anbieter herein und füllen die Depots ihrer Kunden mit undurchsichtigen Papieren? Auf den ersten Blick sieht es fast so aus. Doch wer genauer hinschaut, entdeckt durchaus Begrüßenswertes.

Zunächst einmal ist zu fragen: Ist der bislang hohe Anteil an aktiv gemanagten Investmentfonds in Depots von Vermögensverwaltern wirklich gerechtfertigt? Immerhin legen diese Leute im Auftrag ihrer wohlhabenden Kunden recht große Summen an. Und was für kleine Sparer gilt, nämlich dass eine Investition in Fonds weniger kostet als die Direktanlage in einzelne Wertpapiere und schon deshalb vorzuziehen ist, trifft nicht mehr zu, wenn 100.000 Euro oder gar mehr investiert werden sollen.

Kauft ein Vermögensverwalter Investmentsfonds, zahlt der Kunde gleich doppelt: Er entlohnt eben jenen persönlichen Verwalter und zahlt zusätzlich Fondsgebühren. Das Geld gezielt in 10 bis 20 Einzelaktien zu stecken und das Portfolio dann noch mit einigen länder- oder branchenbezogenen Indexfonds zu ergänzen, wäre für ihn letzlich kostengünstiger und, sofern die Aktien vernünftig gestreut sind, mit keinem zusätzlichen Risiko verbunden.