In ihrer Rede zwei Wochen vor dem Treffen der sieben führenden Industrienationen und Russlands in Heiligendamm sagte die Kanzlerin, die Globalisierung berge eindeutig mehr Chancen als Risiken.

Der Umgang der Bundesregierung mit Protesten führte auch im Plenum zu einem heftigen Schlagabtausch. Merkel warnte erneut eindringlich vor Gewalt: "Wer zu Gewalt greift, der macht den Dialog unmöglich", sagte die Kanzlerin. "Wer friedlich protestiert, dessen Anliegen ist nicht nur legitim, sondern der findet auch unser Gehör." Die Grünen, die Linksfraktion und die Veranstalter des alternativen Gipfels forderten Merkel auf, das Demonstrationsrecht nicht einzuschränken.

"Wir verurteilen aufs Schärfste die von der Regierung in Mecklenburg-Vorpommern beschlossene Einschränkung der Versammlungsfreiheit", sagte der Geschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Gerhard Timm. Die Polizei hat am Sicherheitszaun rund um den Tagungsort der Staats- und Regierungschefs umfangreiche Demonstrationsverbote erlassen.

Die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth befürchtet dadurch bereits eine Beeinträchtigung des Ansehens Deutschlands. Linksfraktions-Chef Gregor Gysi kritisierte, dass der Gipfel einer Durchsetzung einseitiger Interessen der Industriestaaten diene. "Es ist legitim, dagegen zu demonstrieren." FDP-Chef Guido Westerwelle betonte: Wer meint, er könne Gewalt einsetzen, werde ein Strafverfahren ernten.

Auch die Geruchsproben, die von mutmaßlich militanten Globalisierungskritikern genommen wurden, stießen weiter auf große Skepsis. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sehen die Aufregung indes als unbegründet an. Konkret seien bei fünf Verdächtigen Proben genommen worden, die im Rahmen der Strafermittlungen wieder vernichtet würden, sagte Zypries in München.

Die Gewerkschaft der Polizei rief vor dem G-8-Gipfel zu Besonnenheit auf. "Ohne Zweifel haben wir auf Grund der zunehmenden extremistischen Gewalt und der bestehenden Gefahren durch den islamistischen Terrorismus eine schwierige Sicherheitslage", sagte der Vorsitzende Konrad Freiberg.