Nahles sagt, Grundvoraussetzung für die Umsetzung der Reform sei ein aufnahmefähiger Arbeitsmarkt für Ältere. Man könne die Rente ab 67 "nicht für alle Menschen als Konfektionsware" anbieten. Nötig seien vielmehr "maßgeschneiderte Lösungen für einzelne Erwerbsbiografien".

Ähnlich äußerte sich auch SPD-Chef Kurt Beck dieser Tage. "Sie werden bei mir ein klares Bekenntnis zur Rente mit 67 hören", sagte er dem Spiegel . Um dann zu präzisieren: "Was wir allerdings brauchen, sind Ventile, um den Menschen, die in besonders harten Situationen arbeiten (...), zu signalisieren, dass wir ihre Lebens- und Arbeitsverhältnisse noch kennen." Beck hatte von Anfang an darauf gepocht, dass es für Beschäftigte mit körperlich belastenden Berufen wie etwa Dachdecker Sonderregelungen geben müsse. Dem hat die Koalition insofern Rechnung getragen, als dass sie auch künftig in der Regel weiter bereits mit 65 in Rente gehen können, vorausgesetzt, sie haben lange genug in die Rentenkasse eingezahlt.

Im Gegensatz zu Beck möchte Nahles dieses Ventil jedoch nicht nur für Dachdecker lassen, sondern auch etwa für Lehrer, die am Burn-out-Syndrom leiden. "Noch in diesem Jahr werden wir hier konkrete Vorschläge machen", kündigte sie an. Sie sieht dafür zwei Wege: "Eine Neuordnung der Altersteilzeit und ein verbesserter Zugang zur Erwerbsminderungsrente."

Grundsätzlich sei die Rente mit 67 natürlich eine tolle Idee, betonte Nahles. Schließlich blieben die Menschen länger fit als früher und es gebe immer weniger junge Arbeitnehmer.

Was die gesamte Debatte etwas akademisch macht, ist die Tatsache, dass die Prüfklausel nichts ist, worüber sich die jetzige Regierung Gedanken machen müsste. Schließlich ist sie laut der Antwort des Arbeitsministeriums auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion lediglich ein "Handlungsauftrag des Gesetzgebers an die im Jahr 2010 amtierende Bundesregierung". Erstaunlich also, dass nun darüber debattiert wird, hieß es doch in der Antwort auch: "Die derzeitige Bundesregierung sieht sich daher nicht befugt, den Erwägungen einer künftigen Bundesregierung vorzugreifen."