Die Holzspäne liegen leicht in der Hand. Sie riechen gut, erinnern an Spaziergänge im Wald. Überall liegen sie herum auf dem Boden der Produktionshalle von Baufritz. Es müssen Hunderttausende sein, eher Millionen. Für die meisten Unternehmen sind Holzspäne Abfall. Hier ist es anders. Holzspäne sind elementares Betriebsvermögen.

Das Familienunternehmen in Erkheim im Allgäu bedient eine kleine, edle Marktnische. Es steht für gesundes, hochwertiges und modernes Wohnen in Holzhäusern. Kein leicht zu erfüllender Anspruch, denn Baufritz hat sich konsequent ökologisch ausgerichtet. Weshalb die Holzspäne auch nicht in der Tonne landen, sondern in der Hauswand, als Dämm-Material.

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Eine Krankheit brachte das Unternehmen auf diesen Kurs. Ende der siebziger Jahre führt Hubert Fritz das Unternehmen in der dritten Generation, als er eine niederschmetternde Nachricht erhielt: Seine Frau hatte Brustkrebs. Chemische Holzschutzmittel im eigenen Haus schienen dafür mitverantwortlich zu sein. Der Firmenchef begann, bedenkliche Stoffe beim Hausbau und vor allem unbedenkliche Alternativen zu erforschen. "Gesundes Bauen" - eine Herzensangelegenheit. Und viel mehr: Denn bald schon wurde dieser Ansatz zur unternehmerischen Maxime von Baufritz.

"Wir haben damals das erste ökologische Vollwert-Haus im Selbstversuch bewohnt, inklusive Klärteich und Komposttoilette", erinnert sich Dagmar Fritz-Kramer. "Meine Freunde haben ganz schön gestaunt: eine Toilette, in die man Heu werfen muss?!" Aus dem Teenager ist eine Unternehmerin geworden. Seit Sommer 2004 lenkt die 36-Jährige die Geschicke der Firma.

Hinter ihr an der Wand des Besprechungsraums hängen zwei große Leinwände, auf denen mit schwarzer Farbe eine Weisheit von Konfuzius gepinselt ist: "Wenn über das Grundsätzliche keine Einigkeit besteht, ist es sinnlos, miteinander Pläne zu machen." Das Grundsätzliche von Baufritz ist das ökologische Bauen mit Holz. Auch 1999, als Dagmar Fritz-Kramer in das Unternehmen eintrat, bestand darüber Einigkeit. Aber das reichte der designierten Chefin nicht. Die gelernte Dekorateurin und studierte Innenarchitektin wollte weg vom langweiligen Müsli-Birkenstock-Image, das Öko-Produkten anhaftet. Baufritz-Häuser sollen zwar gesund bleiben, aber sie sollen auch schön sein, vielleicht sogar aufregend. Baufritz soll für stilvolles und komfortables Wohnen stehen.