Ein Filmheld hat es nicht leicht in Hollywood. Er muss nicht nur die Welt vor Schurken schützen, sondern hat heutzutage auch andere Sorgen. Seine Frau ist weg, seine Kinder hassen ihn, er ist Alkoholiker oder pleite. Der einst saubere Weltretter ist zu einem gebrochenen Helden geworden. Einem Zyniker, der in Kneipen herumsitzt und in seiner Larmoyanz versinkt. Der moderne amerikanische Kinoheld wacht irgendwann im Bett oder Auto mit Kater und der Frage auf: „Warum mach’ ich das hier eigentlich?“ Ganz gleich, ob Spiderman oder Bruce Willis in seinen zahlreichen Unterhemdfilmen. Zaudern und zweifeln gehören zu einem richtigen Helden.

Mitte der siebziger Jahre fängt es an: Nach dem Vietnamkrieg, Watergate und der Wirtschaftskrise wird Amerikas Bevölkerung zunehmend politisiert. Die Stimmung beeinflusst auch die Kinokultur. Viele Filme dieser Zeit sind geprägt von sozialem Aufruhr. Anstatt bodenständiger Charaktere sind im Kino plötzlich jene gefragt, die gegen gute Sitten verstoßen. Helden wie John Wayne oder Errol Flynn sind zu eindimensional, zu brav und zu alt-amerikanisch. Science-Fiction finden die Zuschauer öde. Zu steril und kulissenhaft wirken die Filme. Dann kommt George Lucas’ erster Star Wars- Film. Und mit ihm der wohl letzte klassische Held des Hollywood-Kinos.

Er heißt Luke Skywalker und rettet die weit, weit entfernte Galaxis. Eine Figur wie aus einem Volksmärchen. Er wächst bei Adoptiveltern auf, lebt weit weg vom Schuss und hat einen kindlichen Traum: Raumpilot werden. Luke ist fast noch ein Kind. Man sieht ihn gedankenverloren mit einem Spielzeugraumschiff spielen. Seine Welt ist heil, bis eines Tages zwei Roboter in das unbekümmerte Landleben hineinplatzen. Rumms. Mit einer Raumkapsel. Der Ärger beginnt: Es herrscht Krieg; das finstere Imperium unterjocht die Galaxis. Der Eremit Obi-Wan Kenobi erzählt, Luke habe eine Gabe, die „Macht“ – eine Kraft, die alles durchdringe. Die habe er von seinem Vater. Und wie ein kleiner Junge, der mit großen Augen vom verschollenen Vermögen seines toten Vaters hört, hört Luke Obi-Wan Kenobi zu. Und fügt sich in sein Schicksal. Er will Jedi-Ritter werden. Wie sein Vater.

Der Weg da hin ist hart. Lukes Adoptivfamilie wird von imperialen Truppen erschossen und sein Lehrer Obi-Wan wird von Darth Vader getötet, dem dunklem Bösewicht mit metallischem Asthma. Luke zweifelt nicht, weint nicht und beklagt sich nicht bei seinen Mitstreitern. Nicht bei seiner leiblichen Schwester Leia, der zickigen Prinzessin mit der Schneckenhausfrisur. Auch nicht beim kernigen Draufgänger Han Solo. Moderne Actionhelden hätten längst zwei Aspirin mit einem Schluck Schnaps runtergespült. Natürlich schaut Luke auch mal trübsinnig in die untergehenden Sonnen seines Planeten. Aber er will diese mystische Kraft beherrschen, seiner inneren Stimme vertrauen und nicht seinen Augen. Eine ehrgeizige Gelehrsamkeit, die zuweilen an frühromantische Helden erinnert, wie Novalis’ Heinrich von Ofterdingen.

Am Ende des ersten Films zerstört Luke den Todesstern, die furchterregendste Waffe des Imperiums. Damit hören die Strapazen nicht auf. Drei Jahre später schlägt das Imperium zurück. Luke wird von Eismonstern verschleppt und besucht einen struppigen, sumpfigen Planeten. Dort sucht er den alten Jedi-Meister Yoda, der ihn unterweisen soll. Schließlich trifft er einen grünen, runzeligen Zwerg, der sich von ihm herumtragen lässt und zu ihm in sonderbarer Syntax spricht: „Vergessen du musst alles, was früher du gelernt.“ Haudraufs wie Bruce Willis hätten Yoda wohl erstmal in den Morast geschleudert. Luke bleibt ruhig. Denn Zorn und Aggression führen zur dunklen Seite der Macht, zum Bösen, heißt es, während die helle Seite Besonnenheit und Ruhe verkörpert.

Dieses Konzept der alles durchdringenden „Macht“ in Star Wars ist inspiriert von mehreren spirituellen und religiösen Vorstellungen. So nahm George Lucas die Vorstellung einer allgegenwärtigen Energie aus dem Taoismus und verband sie mit der Lehre des Buddhismus, in der Wut und Aggression als schlechte, Ruhe und Meditation indes als gute Eigenschaften gelten.