Pressekonferenz des Hauptsponsors in Bonn: Angekündigt sind weitere Geständnisse - und die kamen auch: Schlag auf Schlag. Die kollektive Beichte moderierte Christian Frommert, Sprecher Team Telekom. Dieser war es auch, der gleich zu Beginn die Message des Tages verkündete: Die Telekom will aufklären - und nicht aus dem Radsport aussteigen. "Wir haben einen Vertrag bis 2010. Und wir wollen dem jungen Team von Bob Stapleton die Chance geben, die Arbeit fortzusetzen."

Und dann geht es los mit den Geständnissen: Rolf Aldag, früherer Telekom-Profi und heutiger Sportdirektor des Radrennstalls T-Mobile, macht den Anfang: "Ich habe im Vorfeld der Tour de France 1995 mit Epo-Doping begonnen." Aldag entschuldigte sich dafür, dass er jahrelang gelogen hat: "Das war sicher das Schwerste überhaupt, was ich je getan habe, und sicherlich genauso falsch wie Doping."

Das schlechte Gewissen beschlich ihn aber erst nach einigen Jahren. Als junger Sportler verglich Aldag das Doping mit dem Schummeln bei einer "Klassenarbeit": "Wenn man spicken kann, ohne erwischt zu werden, macht man es? Natürlich!" Seine Annahme damals sei gewesen: Die Kontrolleure können uns das Doping nicht nachweisen und wahrscheinlich machen es alle. Inzwischen bereut Aldag, dass er sich "aktiv fürs Doping" entschieden hat. Schon damals habe er es allerdings "nicht lustig gefunden, morgens um fünf aufzustehen und sich wieder mal eine Nadel in den Arm zu stechen". Das Epo hat er sich unter anderem über dubiose Kanäle aus dem Internet besorgt: Das Produkt kam in Hüllen, die normalerweise für Augentropfen bestimmt sind.

"Ich habe alle angelogen. Ja, das stimmt." Selbst im heute-journal bei Wolf von Lojewski habe er die Unwahrheit gesagt, ständig habe er "das Fernsehen anlügen" müssen. Aldag fasst sich ans Herz: "Ich will den neuen Weg mitgehen." Er meint wohl den des Teams Telekom ohne Doping. Er endet mit einem Aufruf: "Wir müssen die Situation ändern. Ich entschuldige mich für die Lügerei."

War Aldag schon aufgelöst, ist Erik Zabel ein Bündel der Emotionen. Als erster noch aktiver Radprofi outet er sich als Doping-Sünder. "Ich habe gedopt, weil es ging", sagt Zabel. Allerdings sei es bei ihm nur ein "einmaliger Test" gewesen. Spätestens nach den Geständnissen anderer früherer Fahrer sei ihm bewusst geworden, dass seine Position, die er seit elf Jahren vertreten habe, nämlich, dass sein Sport dopingfrei sei, nicht mehr zu halten ist . "Damals war das Kontrollsystem absolut lückenhaft – und heute ist die Situation nicht viel anders."

"Ich möchte nicht, dass mein Sohn oder seine Freunde eine ähnliche Situation vorfinden wie wir heute." Zabel unterbricht sich selbst für Sekunden. Er kämpft mit den Tränen. Mit schimmernden Augen sagt er: "Wenn ich mir Wettbewerbsvorteile errungen habe, bin ich bereit, Konsequenzen daraus zu ziehen."