Ein halbes Dutzend seiner ehemaligen Teamkollegen hat Doping gestanden, doch der ehemalige Telekom-Kapitän Jan Ullrich bleibt weiter in Deckung und schweigt. Allerdings meldete sich der unter Manipulations-Verdacht stehende ehemalige Radprofi mit einer anderen überraschenden Entscheidung: Peter-Michael Diestel ist ab sofort nicht mehr Anwalt des Tour-de-France-Siegers von 1997. "Wir haben Diestel das Mandat entzogen. Er darf nicht mehr für uns sprechen", übermittelte Ullrich-Manager Wolfgang Strohband via "Bild"-Zeitung. Diestel dagegen sagte: "Ich habe mein Mandat nieder gelegt."

Der Konflikt zwischen Ullrich und Diestel war offenbar nach einem Auftritt des Anwalts im "ZDF-Morgenmagazin" eskaliert. Dort hatte er noch für Ullrich erklärt: "Er tut nur das, was in der jetzigen Verfahrenssituation zweckmäßig ist." Diestel stellte in dem Interview jedoch auch heraus, dass ihm die jüngsten Geständnisse der ehemaligen Ullrich-Kollegen nachdenklich gemacht und größte Befürchtungen geweckt hätten. "Was mein Mandant zu diesem Zeitpunkt dort wusste und was er eingenommen hat, ist nach meinen Dafürhalten ganz anders zu bewerten", unterstrich Diestel.

Ullrich hat bisher immer bestritten, überhaupt jemals illegale Mittel zur Leistungssteigerung genommen zu haben. Diestel hatte das Schweigen seines ehemaligen Mandanten insbesondere mit möglichen strafrechtlichen Konsequenzen erklärt und daher verkündet: "Ein Auspacken bei Jan Ullrich gibt es in diesem Sinne nicht." Es sei nicht dessen Absicht, etwas zu verheimlichen, sagte Diestel: "Er ist nur im Augenblick von Strafverfahren und Prozessen bedroht, deshalb ist sein Verhalten einfach anders."

Weiter sagte Diestel: "Wenn alle anderen jetzt meinen, jetzt etwas zugeben zu müssen, dann ist das ein richtiger, logischer Weg, um dem Doping in Gänze Kampf anzusagen. Für seinen Ex-Mandanten müsse er das jedoch anders sehen: "Er hat eine andere Situation als Herr Dietz, Herr Henn und viele andere, weil er als Einziger, als Galionsfigur des deutschen Radsports bedroht ist durch Verfahren."

Wie lange das noch so sein wird, ist indes fraglich: Bei der Bonner Staatsanwaltschaft wird derzeit bereits geprüft, ob die im Juli 2006 gestellte Betrugs-Anzeige gegen Ullrich zum Nachteil seines früheren Arbeitgebers T-Mobile noch aufrechterhalten werden kann. "Wir sind bislang immer davon ausgegangen, dass das jetzige T-Mobile-Team nichts von Doping wusste. Es gibt nun sicherlich Überlegungen, ob jetzt immer noch so gedacht werden kann", sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

T-Mobile hatte den Olympiasieger von Sydney nach dessen Verwicklung in den Skandal um den mutmaßlichen Dopingarzt Fuentes im Sommer 2006 fristlos gekündigt.