Nicht ohne Stolz stellte Attac am Donnerstag, knapp eine Woche vor dem G8-Gipfel, in Berlin ihren neuen und bislang prominentesten Mitstreiter vor. Geißler, immerhin zwölf Jahre lang Generalsekretär der CDU, mehrere Jahre Sozialminister im Kabinett von Helmut Kohl und einst Mitglied im Jesuitenorden, ist der zweite Politiker in den Reihen der deutschen Sektion des Anti-Globalisierungsbündnisses. Der damit eine wahrlich gewagte Koalition eingeht. Denn der andere ist der frühere Bundesfinanzminister und designierte Co-Vorsitzende der neuen Linkspartei, Oskar Lafontaine.

Der Beitritt sei für ihn selbstverständlich gewesen, sagte Geißler dessen ungeachtet bei der Pressekonferenz. Seit dem G8-Gipfel in Genua habe er das immer wieder überlegt. "Attac gehört zu den Organisationen, die man unterstützen muss."

Nicht ganz so selbstverständlich ist, dass er aufgenommen wurde. Verstand sich das Netzwerk doch lange als Sammlungsbewegung der extremen Linken, gewaltfrei, jedoch bis knapp an den Rand der Legalität. Nun aber darf Neumitglied Geißler Sätze sagen wie: "Das, was Attac will, ist im Prinzip kompatibel mit dem Grundsatzprogramm der CDU." Das werde von seiner Partei nur nicht erkannt.

Von Attac wurde das bisher sicher auch nicht erkannt. Darauf angesprochen sagte Pedram Shahyar, einer der Attac-Sprecher, man könne schon behaupten, dass es bei den Werten Schnittmengen gebe: "Auf einer ethischen Grundlage unterscheiden wir uns nicht von vielen Menschen in der CDU." Im Übrigen wolle man eine breite Bewegung sein, über politische Spektren hinweg. Die konkrete Politik der CDU stehe den Haltungen von Attac natürlich entgegen. "Das weiß auch Herr Geißler."

In der Tat vertritt Geißler mit seinen globalisierungs- und wirtschaftskritischen Positionen in der CDU schon lange eine Minderheitenmeinung. Sein Beitritt zu Attac zeigt daher auch weniger einen Meinungswandel bei ihm als dass sich das Anti-Globalisierungsbündnis wandelt. "Attac erlebt dank des G8-Gipfels gerade einen zweiten Frühling", sagt Pedram Shahyar. "Es wird nach dem Gipfel nicht das sein, das es vor dem Gipfel war." Für ihn eine positive Entwicklung, denn das Netzwerk weite sich aus.

Vereinnahmt Heiner Geißler Attac? "Nein", sagt Pedram Shahyar. Man habe sich nie als "rein linke Veranstaltung verstanden". Man könnte auch sagen, Attac bewegt sich auf die Mitte zu.