Bundestrainer Jogi Löw kannte vor dem Qualifikationsspiel die Erwartungen der Medienvertreter und wusste nach der Partie, dass seine Mannschaft die Hoffnungen erfüllen konnte. Gegen San Marino sollte der 95 Jahre alte Torrekord, 16 Treffer gegen Russland, gebrochen werden. So fragte die Bild -Zeitung in der Samstagsausgabe: "„Gewinnen wir heute 17:0?"“. Auch die Zuschauer in der easyCredit-Arena in Nürnberg prognostizierten vor dem Spiel „Torgewitter“ oder ein „Warmschießen“ für die wichtige Partie gegen die Slowakei am Mittwoch.

Dass der 6:0-Sieg beim Publikum keine Euphorie auslöste, ist nach den Erwartungen zuvor nicht verwunderlich. Zumal die Mannschaft um Kapitän Schneider lediglich 22 Minuten lang den Willen erkennen ließ, eine drohende Blamage abzuwenden. In dieser Zeitspanne fielen die sechs Treffer des Abends. Der Rest der Partie war ergebnisirrelevanter Leerlauf.

Vor allem die erste Halbzeit sorgte bei den Zuschauern für Unmut. Als die Deutschen nach der ersten halben Stunde, trotz einer Vielzahl an Chancen, noch kein Tor erzielt hatten, wurde es still. Nach zehn weiteren Minuten wurden die vergebenen Torchancen mit Pfiffen quittiert. Als sich der Trainer San Marinos schon darauf einstellte, dass seine Mannschaft ohne Gegentreffer in die Halbzeitpause gehen würde, verwandelte Kevin Kuranyi eine Flanke von Roberto Hilbert zur 1:0-Führung. Doch dieser Vorsprung stellte die Zuschauer mitnichten zufrieden: –Gefeiert wurden die Sanmarinesen für eine kämpferisch tapfere und couragierte Leistung.

Gegen die mit neun Spielern verteidigenden Gegner gab sich die Löw-Truppe elanlos und uninspiriert. Die vielen Chancen konnten den Eindruck nicht verdecken, dass die deutschen Spieler wesentlich lieber im Urlaub verweilen würden, als nach der abgelaufenen, langen Saison noch dieses Länderspiel auszutragen.

Wohlwissend, dass diese knappe Führung einer Blamage gleichkam, steigerte sich die Mannschaft um Kapitän Bernd Schneider zu Beginn des zweiten Durchgangs. Mit mehr Tempo drückten sie die Amateure aus der kleinsten Republik Europas noch stärker in die eigene Hälfte. Konsequent fiel so das 2:0 durch Marcel Janssen. Nach einer Gelb-Roten Karte für Innenverteidiger Davide Simoncini und dem folgenden Elfmetertreffer durch Thorsten Frings zum 3:0 stieß die deutsche Mannschaft auf keine nennenswerte Gegenwehr. San Marino war am Ende seiner Kräfte angelangt.

Die beiden Treffer zum 4:0 und 5:0 steuerte der eingewechselte Mario Gomez bei, bevor Clemens Fritz in der 67. Minute den 6:0-Endstand erzielte und die erwartungsvollen Fans wieder halbwegs versöhnte. Doch im Vergleich zur stürmischen Euphorie auf dem Platz während und nach der Weltmeisterschaft glich diese Partie eher einem lauen Lüftchen.