Die Rechnung der Produktionsfirma Endemol ging perfekt auf: Sie kündigte eine neue Show an, deren Spiel-Idee so provokant ist, dass sie es noch vor der Ausstrahlung auf die Kommentar- und Titelseiten der Presse schaffte. Der Sender BNN will an diesem Freitag in den Niederlanden die von Endemol produzierte grote Donorshow senden, die große Spender-Show. Darin wird die schwerkranke Lisa entscheiden, wer noch vor ihrem Tod eine ihrer beiden Nieren erhalten darf. Sie kann zwischen drei nierenkranken Kandidaten wählen, die im Lauf der Sendung um ihre Gunst buhlen werden. Auch die Zuschauer können Einfluss auf Lisas Entscheidung nehmen, indem sie per SMS mitteilen, welchen der drei Kandidaten sie für den würdigsten Organempfänger halten.

Die Sache ist natürlich völlig geschmacklos, weshalb sich auch schon Politiker, Medienexperten und Ärzte gegen die Sendung ausgesprochen haben. Gerade Menschen, die sich seit Langem für ein verbessertes Organspendegesetz einsetzen oder aktiv dafür werben, sich einen entsprechenden Ausweis zu besorgen, kann die Show empören - zu groß wirkt die Diskrepanz zwischen dem für manche lebensbedrohlichen Problem, dass viel zu wenige gespendete Organe zur Verfügung stehen, und einer Unterhaltungssendung, die nach Big Brother oder Shows über Sexpraktiken für Teenager nun eben mit diesem Format Quote machen möchte. Doch Diskrepanz schafft Emotionen und mit solchen arbeiten alle Medienschaffenden.

Was ist der Skandal? Rechtlich steht der Ausstrahlung in den Niederlanden nichts entgegen. Man darf dem öffentlich-rechtlichen Jugendsender BNN sogar glauben, dass es ihm in erster Linie um ein Wachrütteln der Öffentlichkeit geht. BNN-Gründer Bart de Graaf war vor fünf Jahren an einem Nierenleiden gestorben, nachdem er vergeblich auf ein Spenderorgan gewartet hatte. Täglich sterben nach Angaben der Europäischen Kommission zehn Menschen in Europa, weil sie wie de Graaf zu lange auf eine Transplantation warten mussten. Die Chance der drei Kandidaten, durch die Show gerettet zu werden, beträgt 33,3 Prozent und ist damit deutlich größer als für die anderen 40.000 Menschen, die derzeit auf der Warteliste ausharren müssen, weil nicht genügend Menschen Organe spenden. Das ist der Skandal .

Unzählige Studien wurden gemacht, Appelle gestartet, viele Menschen engagieren sich, um den Notstand zu beheben. Doch möglicherweise kann ausgerechnet eine makaber wirkende Sendung etwas bewegen. Zu diesem Schluss ist auch BNN-Chef Laurens Drillich gekommen, wenn er sagt: "Hätten wir eine wunderbare Dokumentation zum Thema Organ-Spenden gemacht, wäre die Presse jetzt nicht hier." Zynisch, ja, aber eben auch wahr.