In der „Enhanced Analytics Initiative“ (EAI) haben sich führende institutionelle Investoren zusammengeschlossen, unter ihnen Vermögensverwalter, Pensionsfonds und Stiftungen. Ihr Ziel: Umwelt- und Sozialfaktoren sollen im Aktienresearch, zusätzlich zur klassischen Finanzanalyse, stärker berücksichtigt werden. Das will die Gruppe auch mit Hilfe finanzieller Anreize erreichen. So vergab die EAI im vergangenen Januar zusätzliche Aufträge an einige Broker, welche bereits eine systematische Nachhaltigkeitsanalyse betreiben, unter ihnen die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Innovest und UBS.

Zur Initiative gehören Allianz Global Investors und die französische BNP Paribas Asset Management, der niederländische Pensionsfonds PGGM – einer der größten Pensionsfonds der Welt – und der britische USS – einer der größten Europas. Die Gruppe wächst stetig. Sie startete mit 364 Milliarden Euro und verwaltet inzwischen 1,85 Billionen Euro.

Die EAI-Mitglieder kritisieren, dass die traditionelle Finanzanalyse Geschäftsrisiken und -chancen aus ökologischen, sozialen und ethischen Aspekten nicht erkenne. Doch auch diese beeinflussten den Unternehmenserfolg und letztlich den Aktienkurs. Folglich müssten beispielsweise Informationen zur Unternehmens- und Mitarbeiterführung, zum Umweltschutz oder zu Fusions- und Übernahmeprojekten ebenso bewertet werden wie die Kennzahlen der klassischen Finanzanalyse.

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Alle halbe Jahre sucht die EAI jene Broker, welche – nach den Kriterien der Initiative – ökologische oder soziale Informationen am überzeugendsten in ihre Analysen einfließen lassen. Eine Schweizer Beratungsagentur untersucht die Qualität von Research und Service, bewertet die Zukunftspläne der Wertpapierhändler und prüft, ob sie frühere Zusagen eingehalten haben. Die Analystenteams, die am besten abschneiden, erhalten mehr Aufträge: Die Institutionellen reservieren für sie mindestens fünf Prozent ihrer Provisionen für Wertpapiergeschäfte – pro Investor sind das bis zu 5 Millionen Euro. Zuletzt haben 22 Brokerhäuser am Wettbewerb teilgenommen.

Die EAI will die Händler dazu bringen, systematischer vorzugehen. Bisher, so berichtet Peter Moon, Investmentchef des britischen Fonds USS, seien einzelne Umwelt- und Sozialkriterien eher „bunt gewürfelt“ in ihre Analysen eingeflossen. Zudem lag der Schwerpunkt auf den Risiken des Klimawandels und die von ihm besonders betroffenen Branchen, wogegen anderes vernachlässigt wurde. Mitarbeiterführung und Wissensmanagement beispielsweise wurden kaum untersucht, ebenso wenig die Risiken der Beschaffungskette, insbesondere in Entwicklungsländern. Doch auch diese Dinge bergen Chancen und Risiken, warnt die EAI. Und manche Broker versuchen bereits, alle wichtigen extra-finanziellen Bereiche für alle Branchen zu berücksichtigen.