Frau Dörrie, Sie haben viel über die Themen Liebe und Schmerz gefilmt und geschrieben. Ist der erste Liebeskummer der Schlimmste?

Wahrscheinlich. Weil man glaubt, dass niemand auf der Welt jemals so gelitten hat wie man selbst.

War das bei Ihnen auch so?

Oh ja, natürlich. Ich war die Einzige auf der Welt, die das so erlebt hat.

Wie haben Sie sich darüber hinweggerettet?

Durch den nächsten (lacht).

Was tun Sie heute, wenn das Leiden zu schlimm wird?

Das kommt darauf an, wie man Leiden definiert. Mein Mann ist gestorben, meine große Liebe. Trotzdem hat mich das zum Optimisten gemacht. Weil ich alles, was ich hatte, in diese Ehe und in diese Liebe geworfen habe. Ich habe nichts bereut, nichts verpasst, war nicht zu vorsichtig. Ich habe mich oft gefragt: Was ist, wenn man sich am Ende sagen muss: Man hat nicht genug geliebt, sich nicht genug getraut? Man hätte, hätte, hätte. Das ist eigentlich viel schlimmer.

Können Sie sich denn vorstellen, sich wieder richtig zu verlieben?

Das habe ich getan! Und zwar vollkommen ohne Vorbehalte, ohne jede Rückversicherung und ohne Reserve.

Würden Sie sagen, dass die Liebe mit zunehmendem Alter einfacher wird?

Ja, ich glaube schon. Weil man weiß, dass man jeden Tag von Neuem ein hohes Risiko eingehen muss. Dann wird man auch angstfreier.