Der Erfolg der US-Invasion im Irak lässt auf sich warten. Auch die vor vier Monaten begonnene Großoffensive amerikanischer und irakischer Sicherheitskräfte zur Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung in dem kriegszerütteten Land war bislang nur mäßig erfolgreich. 

Nun aber soll eine neue Strategie Abhilfe schaffen. Ehemals mit al-Qaida sympathisierende sunnitische Gruppierungen sollen nun gegen das Terrornetzwerk kämpfen – mit Hilfe amerikanischer Waffen. Laut einem Bericht der New York Times haben amerikanische Befehlshaber diese Strategie in einem kleineren Rahmen in der Anbar-Provinz westlich von Bagdad schon einmal getestet. Mit Erfolg, wie es scheint. Anbar hat den Ruf verloren, einer der gefährlichsten Orte für amerikanische Truppen im Irak zu sein.

Übrigens soll auch die irakische Regierung sich sunnitische Gruppen bewaffnet haben, im Kampf gegen al-Qaida. Das sagt zumindest der irakische Journalist Hussam Ali.

Die meisten der sunnitischen Gruppen sollen zuvor enge Kontakte zu der Gruppe al-Qaida in Mesopotamien unterhalten haben, sich aber angesichts der brutalen Vorgehensweise der islamististischen Terroristen von ihr distanziert haben. Und diese Gruppen sollen nun durch irakische Militäreinheiten, die eng mit den Amerikanern kooperieren, mit Waffen, Munition, Geld, Benzin und Proviant versorgt worden sein.

Diese neue Vorgehensweise der USA könnte allerdings genau in das Gegenteil dssen umschlagen, was beabsichtigt ist. Denn man muss sich fragen, ob in einer Situation von politischer Gewalt und Chaos die Bewaffnung einer ethnischen Gruppierung die Sicherheitslage im Land nicht eher verschlechtert. Vor allem das vergangene Jahr war geprägt von der zunehmenden Gewalt vor allem zwischen Schiiten und Sunniten.

Verstärkt wurde diese Politisierung ethnischer und religiöser Konflikte auch durch das politische System im Irak, das den Glauben und die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe zum wichtigsten Kriterium politischer Organisation macht. So sind es in der Zwischenzeit auch die Milizen der Parteien, die Politik im Zweistromland machen. Durch die amerikanischen Waffen für die sunnitischen Gruppen könnte das noch verstärkt werden.

Heiligt der Zweck die Mittel? Eine Bewaffnung durch die Amerikaner könnte die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen den religiösen Konfliktparteien und den politischen Stillstand noch verlängern. Immerhin haben die USA bereits 15 Milliarden Dollar in den Aufbau von Armee und Polizei im Irak investiert, um sie zum Sicherheitsfaktor zu machen. Die Armee wiederum besteht hauptsächlich aus Schiiten. Was, wenn die nun mit von den USA bezahlten Waffen gegen die ebenfalls von den USA bewaffneten sunnitischen Gruppen kämpfen?