Am Mittwochabend starb der antisyrische Parlamentsabgeordnete Walid Eido nahe der Beiruter Strandpromenade Corniche durch eine Autobombe. Ums Leben kamen dabei auch sein Sohn Khaled und acht weitere Menschen. Der Anschlagsort weckt Erinnerungen. Unweit von hier, nur etwa eineinhalb Kilometer entfernt, starb vor etwas mehr als zwei Jahren der libanesische Ex-Premier Rafik Hariri. Eine massive Bombe hatte seine gepanzerte Limousine vollkommen zerstört und 23 weitere Menschen mit in den Tod gerissen.

Eido ist jetzt das siebte syrienkritische Mordopfer aus Politik und Medien der jüngsten Zeit. Und die Spur scheint erneut nach Damaskus zu führen. Zuletzt war Ende November vergangenen Jahres der damalige Industrieminister und Syrien-Kritiker Pierre Gemayel am helllichten Tag in seinem Auto erschossen worden. Und auch der Parlamentarier Eido war einer der vehementesten Gegner der syrischen Einmischung in die libanesische Politik.

Er gehörte 2005 zu den aktivsten Organisatoren der Massenproteste in Folge des Mordes an Hariri, die zunächst auf einen Demokratisierungsprozess hoffen und die Medien von einem Beiruter Frühling sprechen ließen. Im Zuge der Proteste und durch den verstärkten internationalen Druck musste Syrien schließlich seine seit knapp dreißig Jahren im Libanon stationierten Truppen abziehen. Jedoch hielt die Freude darüber in Beirut nicht lang. Schnell machte sich bemerkbar, dass Syriens politischer und geheimdienstlicher Einfluss auf den Libanon nach wie vor vorhanden ist.

Das Regime in Damaskus war für viele Libanesen schnell als Verantwortlicher für den Mordfall Hariri ausgemacht. Und die Indizien schienen auf der Hand zu liegen: Der Streit zwischen dem populären Hariri und Syrien über die Mandatsverlängerung des pro-syrischen Präsidenten Emile Lahoud hatte zu starken Spannungen geführt und entwickelte sich immer mehr zu einer Machtfrage.

Auch der Zeitpunkt des Attentats auf Walid Eido lässt darauf schließen, dass der Mord durchaus syrischen Interessen dient. Er folgte drei Tage nach Inkrafttreten der UN-Sicherheitsresolution 1757. Diese ordnet die Einrichtung eines internationalen Gerichts an, das die Morde an Hariri und den anderen anti-syrischen Politikern und Journalisten aufklären soll. Dazu hatten vorangegangene internationale Untersuchungen bereits darauf hingewiesen, dass die Morde auf direkte Anordnung Syriens geschehen seien. Damaskus bestreitet dies weiterhin vehement.

Mit dem Anschlag von Mittwoch wächst im Libanon weiter die Angst vor einer Eskalation der Gewalt, ist das Land doch ohnehin schon durch die Kämpfe im palästinensischen Flüchtlingslager Nahr al-Bared geplagt. Viele Libanesen fürchten, dass der Mord an dem Sunniten Eido die Spannungen zwischen den Anhängern des Premierministers Fuad Siniora und Mitgliedern der pro-syrischen Opposition unter Führung von Hisbollah weiter anheizt.