Stahlbau und Familie - irgendwie passt das nicht zusammen. Jedenfalls auf den ersten Blick. Gerade deswegen sind wir hier, in der 800-Seelen-Gemeinde Wölsendorf, 50 Kilometer nördlich von Regensburg in der Oberpfalz.

In den meisten Straßenatlanten sucht man Wölsendorf vergeblich. An der Autobahnausfahrt weist kein Schild in seine Richtung. Der Ort besteht aus einer winzigen gelben Kirche mit einigen Häusern drum herum. Ein Traktor zuckelt vorüber. Es ist sonnig und die Fahnen auf dem Parkplatz von "Schönberger Metalltechnik und Stahlbau" wehen im auffrischenden Wind. Die 28 Mitarbeiter kleine Firma gilt als eines der familienfreundlichsten Unternehmen Deutschlands. Dabei sind 22 der Angestellten Männer.

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Stahlbau, das sind kräftige, hart schuftende Kerle, keine Krabbelgruppen. Familienfreundlichkeit hat nichts damit zu tun. Denkt man. Hat es aber doch, gerade in dieser Branche. Die schuftenden Kerle nämlich sind hoch spezialisierte Arbeitskräfte. Ohne sie wäre im Stahlbau nichts machbar. Solche Leute sind nur schwer zu ersetzen. Fehlten sie, könnte der kleine Handwerksbetrieb kaum überleben. Viele von ihnen sind aber auch Ehemänner und Väter. Die Vereinbarkeit von Privat- und Berufsleben ist für die Firma deshalb das, was man eine zentrale unternehmerische Herausforderung nennt.

Vielleicht ist Schönberger aber auch deswegen so familienfreundlich, weil es von zwei Frauen geleitet wird? "Sicher hat das auch etwas mit uns zu tun", sagt Sabine Schönberger. Aber nicht nur, und das Wort Familienfreundlichkeit mag sie schon gar nicht. "Das klingt nach Sozialromantik und das führt in die Irre", sagt die Firmenchefin.

Schönberger leitet das Unternehmen seit 1990 gemeinsam mit ihrer Schwester Andrea. Ganz überraschend fanden die Schwestern sich damals in dieser Position wieder, nachdem der Vater von einem Tag auf den anderen krank und arbeitsunfähig wurde. Dass es anfangs schwierig war, erzählt sie nur beiläufig. Von solcher Unsicherheit ist heute nichts mehr zu spüren. Sabine Schönberger ist eine gestandene Unternehmerin, zielstrebig und mit Verve vertritt sie ihr Geschäft.

"Wir sind zwar auch nett und freundlich", schmunzelt die 40-Jährige. "Aber im Kern geht es um Familienorientierung zum Vorteil von Mitarbeitern und Unternehmen." Motivation, Loyalität, Bindung an das Unternehmen: All das lässt sich nur zu einem Teil über das Gehalt erzielen, ist die Chefin überzeugt. "Die Bonbons oben drauf, der Einsatz für den Mitarbeiter, gerade auch wenn er ein Problem hat, sind entscheidend." Ohne diese Bonbons wäre Schönberger vielleicht längst ein Opfer des Fachkräftemangels geworden. Benachbarte Unternehmen mit geregelten Arbeitszeiten und angenehmeren Arbeitsbedingungen hätten ihm die Kräfte abspenstig gemacht.