Helmut Schmidt sagte dem ZEITmagazin LEBEN, er sehe für die SPD keine grundlegende Gefahr. Die CDU stehe zwar in den Meinungsumfragen im Moment relativ gut da. Aber: "Wenn Sie sich Frau Merkel wegdenken, dann sieht die Union ganz anders aus." Die SPD leide nicht zuletzt daran, dass sie am laufenden Band ihre Vorsitzenden gewechselt habe.

Das Entstehen der Linkspartei führt Schmidt auch auf das Wahlsystem zurück. "Wo es Verhältniswahlrecht gibt, dort entstehen zwangsläufig linksextreme und rechtsextreme Parteien. Die Parteien in der Mitte zwingt es dazu, sich zusammenzuraufen, ob das Große Koalitionen sind oder halbgroße oder halbstarke."

Allerdings müssten, so Schmidt weiter, die Anhänger der SPD umdenken: "Einige Wähler möchten an Regeln festhalten, die nicht mehr realistisch sind." Die steigenden Lebenserwartungen erforderten ein höheres Renteneintrittsalter. Dass bei vielen Bürgern dadurch Unsicherheit und Besorgnis geschaffen würde, sei nachvollziehbar; die Reaktion gewisser Politiker jedoch nicht: "Dann gibt es Leute wie diesen Lafontaine, die auf diesem Klavier spielen und Ängste schüren."

An Stelle stimmenwirksamer Vorsicht fordert Schmidt rationales und risikofreudiges Handeln. Ungeliebte Entscheidungen zum Wohle aller seien für Politiker unumgänglich. Es erfordere Mut, einer Notwendigkeit zu gehorchen, auch wenn man deshalb sein Mandat verliere. "Jemand, der dieses Risiko nicht eingehen will, taugt nicht für die Demokratie."

Das vollständige Interview können Sie in der neuen Ausgabe des ZEITmagazin Leben lesen