Wenn es um die Rettung des Klimas geht, führt Bundeskanzlerin Angela Merkel seit einiger Zeit am liebsten ein Wort im Munde: Energieeffizienz. Sie sei „das A und O“. Unglaublich viel könne man durch einen sparsameren Energieverbrauch erreichen, durch bessere Technologien und höhere Wirkungsgrade. Merkel hat dazu eine nationale Initiative ins Leben gerufen, um die Energieeffizienz in Deutschland bis 2020 zu verdoppeln. Sie kämpft in der Europäischen Union für ähnliche Pläne, und auch beim G8-Gipfel war die bessere Ausnutzung der Energie ein wichtiges Thema.

Strom, Verkehr, Wohnen – überall könne gespart werden, so lautet die Parole, die auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel ausgibt. Das stimmt, ist aber leider nur die halbe Wahrheit. In den vergangenen zehn Jahren sank beispielsweise der Energieverbrauch in den Wohnungen dank besserer Dämmung und neuer Heizungen in Deutschland um zehn Prozent. In der gleichen Zeit aber stieg die im Durchschnitt von jedem Einzelnen genutzte Wohnfläche um dreizehn Prozent. In der Summe verbrauchten die Bundesbürger daheim mehr Energie.

Dieses Muster ist überall zu beobachten, bei Autos, Küchengeräten, sogar bei Fernsehern. Die Geräte und Fahrzeuge werden immer sparsamer, gleichzeitig aber sehr viel größer, schwerer und mehr. Im Ergebnis steigt der Energieverbrauch, trotz aller Einsparungen.

„Wir fordern nachhaltige Produkte für Alle und veränderte Konsummuster“, verlangt deshalb das Freiburger Öko-Institut in einem Forderungskatalog anlässlich seines dreißigjährigen Bestehens. Die Bundesregierung müsse dafür die Rahmenbedingungen schaffen, ihre bisherigen Vorschläge für einen Klimawandel reichten nicht aus. Das ist sehr vorsichtig formuliert. Denn dahinter steht eine Idee, die nicht gerade populär ist.

Effizienz allein ist nicht die Lösung. Es braucht ein zweites Konzept, um die Erderwärmung zu stoppen: Suffizienz. Das meint die Absicht, absolut und nicht nur relativ weniger Rohstoffe zu verbrauchen. Damit aber wird Klimaschutz schnell zu einem unangenehmen Thema. Denn Suffizienz bedeutet Nachdenken über den eigenen Konsum und darüber, ob wir wirklich alles brauchen, was wir uns leisten. Im Zweifel also Genügsamkeit oder – um ein Wort zu verwenden, das vielen wirklich Angst macht: Verzicht aus Einsicht in die Notwendigkeit.