Nachdem in den frühen Morgenstunden des Samstags Sicherheitskräfte ein Seminargebäude nahe der umkämpften Roten Moschee in Islamabad gestürmt haben, versuchen nun Vertreter pakistanischer Religionsparteien, zwischen der Regierung und den islamistischen Fundamentalisten zu vermitteln. Die Sicherheitskräfte hatten während ihres Einsatzes rund 50 Koranschüler festgenommen.

Auf dem weitläufigen Gelände der Roten Moschee haben sich seit vergangenem Dienstag bewaffnete Islamisten verschanzt. Immer wieder kommt es seither zu Gefechten. Unklar ist, wie viele Menschen sich in und rund um die Rote Moschee aufhalten. Es könnten bis zu tausend sein, darunter angeblich viele Frauen und Kinder.

Der Anführer der Extremisten, der Geistliche Abdul Rashid Ghazi, sagte am Samstag, er sei bereit, eine Delegation zu empfangen. Er und seine Anhänger würden ihre Waffen niederlegen, aber niemals kapitulieren. "Ich rücke von meiner Position in keinem Fall ab. Festnahmen stehen nicht zur Debatte", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir können sterben, aber wir werden nicht aufgeben." Rund 450 Fundamentalisten machten angeblich nach dem Freitagsgebet ihre Testamente, berichtet der Sender Geo TV.

Die Politiker und Religionsführer wollen Ghazi überzeugen, die Kinder ziehen zu lassen. Die Regierung wirft den Islamisten vor, Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilder einzusetzen. Ghazi wies dies zurück.

Während der heftigen Feuergefechte am Samstagmorgen hatten Explosionen das Seminargebäude Jamia Faridia erschüttert, Rauch und Flammen stiegen aus dem Komplex auf. Das Seminargebäude liegt rund vier Kilometer von der Moschee entfernt. Ein Augenzeuge sagte, er habe die Leiche eines Sicherheitsmannes gesehen. Die Behörden verzeichneten nach eigenen Angaben am Samstag aber keine Verluste.

Gegen Mittag verhallten die Schüsse. Die Delegation der Religionsführer kam zusammen. In Laufe des Tages unternahm die Gruppe einen ersten Vermittlungsversuch, den sie aber aber abbrach, als wieder Schüsse zu hören waren.