Es ist schon viel von historischen Tagen des Sports geschrieben worden. Heute, an diesem Mittwoch, hat uns der Ereignis-Kalender nicht ganz überraschend einen eben solchen beschert: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland, die Sender ARD und ZDF, sind aus der Berichterstattung über die Tour de France ausgestiegen. Nach der positiven Doping-A-Probe des Telekom-Profis Patrik Sinkewitz zogen die Verantwortlichen die Reißleine - vorübergehend, wie es im Augenblick heißt, "bis die Angelegenheit" geklärt sei.

Dennoch: dies ist ein Fanal, nicht mehr und nicht weniger. Denn es handelt sich hierbei um einen mehrdimensionalen Ausstieg. Die Sender werfen hin als Berichterstatter - und dokumentieren damit, dass das größte Sportereignis des Sommers nicht mehr zur medialen Grundversorgung zählt. Und sie werfen hin als Sponsoren - und dokumentieren damit die Fehlinvestition von Millionensummen aus Gebührenzahlertaschen in ein schon seit Jahren bekanntermaßen unsauberes Gewerbe. Schon vor Beginn der Tour hatten sich die Gremien nur mit einer denkbar knappen Mehrheit für die weitere Übertragung ausgesprochen. Die eine Stimme Vertrauensvorschuss ist nun - nach gut eineinhalb Tour-Wochen - aufgebraucht.

Man muss über die Motive nicht lange raisonnieren, darüber, ob nun Edelmut und Aufklärungswille die Fernsehmacher getrieben haben. Doch selbst wenn nicht, selbst wenn sie allein einen Imageschaden und damit ein schlechtes Geschäft befürchtet haben, selbst dann kann der Ausstieg als ein Signal tätiger Reue gewertet werden, denn sie entziehen damit einem, wie man nicht erst seit heute weiß, ganz und gar korrumpierten Sport vorerst die Grundlage für sein Fortbestehen.

Es wird, so wie es aussieht, den Profiradsport in seiner gewohnten Form bald nicht mehr geben. Denn der lebt schon lange nicht mehr von den viel besungenen Fans an der Strecke. Er lebt von den Fernsehzuschauern, von den Quoten und von den  Bildern, die die Logos der zahlenden Sponsoren transportieren. Und sollten die deutschen Sender konsequent bleiben, werden ihnen bald die Kollegen in anderen Ländern folgen und damit dem heutigen Profiradsport ein Ende bereiten. 

Am Ende könnten also ausgerechnet die Mechanismen des Marktes dafür sorgen, dass wir bald wieder glauben können, was wir sehen. Nicht nur auf dem Bildschirm. Es lebe der Radsport