Tom Enders, inzwischen im Rang eines Majors der Reserve, pflegt eine direkte Art - nicht außergewöhnlich für einen Militär, doch unüblich für einen politisch geprägten Konzern wie die EADS . In Toulouse muss der fünfte Airbus-Chef innerhalb von zwei Jahren zunächst die Ressentiments der Franzosen abbauen. Sie betrachten Airbus eher als "ihr" denn als europäisches Unternehmen und zeigten sich schon gegenüber dem ersten Deutschen auf dem Chefsessel in Südfrankreich, Gustav Humbert, wenig kooperativ.

Stören dürfte das den 48-jährigen "Major Tom" genannten Enders wenig. Wenn der Vater von vier Söhnen etwas zu sagen hat, sagt er es direkt und geradeheraus. Mitarbeiter beschreiben diese Art des Umgangs als "angenehm klar". Sorgen müsse man sich um ihn nicht machen in Toulose. "Wenn es einer schafft, dann Enders", sagt ein Vertrauter. Er fordere Perfektion.

Gegenüber dem französischen Staat machte er unmissverständlich klar, dass er von dessen Beteiligung an EADS nichts hält. "Das Geschäft ist politisch genug, da brauchen wir nicht noch einen Staat als Anteilseigner", sagte er gleich mehrfach. Dabei begann er seine eigene berufliche Laufbahn nach einem Studium in Bonn und Los Angeles in der Politik, als Assistent im Bundestag in Bonn. Drei Jahre arbeitete Enders im Planungsstab des Verteidigungsministeriums, bevor er 1991 zur damaligen DaimlerChrysler-Tochter Dasa ging und sich dort zuletzt um die Unternehmensentwicklung kümmerte. Aus seiner Zeit bei der Dasa kennt Enders auch den künftigen EADS-Verwaltungsratschef Rüdiger Grube. "Die spielen gut zusammen", heißt es im Unternehmen.

Bei den Verhandlungen zum Zusammenschluss von Dasa, Aerospatiale und Casa zur EADS im Jahr 2000 spielte Enders früh eine gewichtige Rolle. Nach der Gründung der EADS baute er die Rüstungssparte auf, die heute eine Stütze des Konzerns ist.

Einen guten Ruf bei Analysten erwarb Enders sich bei Restrukturierungen. Bei Airbus muss er nun den Sanierungsplan Power8 umsetzen, in dessen Rahmen tausende Stellen und bis zu sechs Werke verkauft werden sollen. Schon Anfang des Monats spielte er mit seinem trockenen und bisweilen hintergründigen Humor wohl auf seine neue Aufgabe ab: "Ich bin sicher, über den 16. Juli hinaus gut ausgelastet zu sein."

Nicht zuletzt seine Vorliebe für das Direkte zog Enders bisher eher zur militärischen Seite des EADS-Geschäfts hin als zur zivilen Luftfahrt. Den Flug mit dem Eurofighter zog er ohne langes Zögern einem Trip mit dem A380 vor, auch wenn er Aufsichtsratschef des Flugzeugbauers war. Jetzt kommt er um den Flug mit dem eher behäbigen doppelstöckigen A380 wohl nicht mehr herum. (Von Kerstin Dörr, Reuters)