Dass die Simpsons zu den intelligenteren Fernsehserien gehören, muss man nicht besonders hervorheben. Aber es ist schon erstaunlich, dass zu den Autoren der Serie mehrere Harvard-Absolventen gehören, darunter einige mit mathematischem Abschluss: Al Jean, der Chefschreiber, hat einen Bachelor in Mathematik, ebenso wie J. Stewart Burns, der von Futurama zu den Simpsons stieß. Ken Keeler, der die Serie von 1994 bis 1998 bereicherte, hat sogar einen Doktor in Angewandter Mathematik.

Die beiden amerikanischen Mathematiker Sarah Greenwald und Andrew Nestler haben über 100 "Stellen" in den mehr als 400 Simpsons-Folgen gesammelt, in denen Mathematik in irgendeiner Form vorkommt. Nun gut, sie haben auch notiert, wenn irgendwo an einer Schultafel 2 + 2 = 4 steht (oder 5), aber manchmal schmuggeln die Schreiber doch das eine oder andere höhere mathematische Problem in die Serie. Insbesondere Klein-Lisa, die schon früh ihr Alter korrekt mit "drei drei Achtel" angeben konnte, belebt die Handlung mathematisch. Und zwei Episoden muss man herausheben, in denen die Mathematik ein zentrales Handlungselement war.

Die erste ist die Folge Treehouse of Horror VI von 1995, eine der jährlichen Halloween-Spezialausgaben, in der Homer Simpson aus Versehen (er will sich eigentlich hinter einem Bücherregal verstecken) in die dritte Dimension gerät. Der serieneigene Mathematikprofessor Frink erzählt anschaulich, wie sich zweidimensionale Wesen die dritte Dimension vorzustellen haben. Die 3-D-Welt, durch die Homer irrt, ist vollgepflastert mit mathematischen Symbolen und Begriffen, darunter die Gleichung 1782 12 + 1841 12 = 1922 12 . Das wäre, wenn es stimmen würde, eine Widerlegung des letzten Satzes von Fermat, nachdem keine solche Gleichung mit Exponenten größer als 2 aufgeht. Tatsächlich ist der Unterschied zwischen der linken und der rechten Seite gewaltig, etwa 10 30 , aber auf Taschenrechnern, die nur auf zehn Stellen genau rechnen, stimmt die Gleichung.

Mit etwas mathematischen Verstand sieht man allerdings, dass auf der linken Seite eine ungerade Zahl steht und auf der rechten eine gerade –man muss also gar nicht nachrechnen, um zu sehen, dass da etwas nicht stimmt. Das fiel vielen Simpsons-Fans auf, und den Autor David Cohen (ebenfalls ein Harvard-Absolvent) wurmte es. Er setzte sich noch einmal an den Computer, und in der Folge The Wizard of Evergreen Terrace von 1998 vervollständigt Homer persönlich eine neue fast richtige Fermat-Gleichung, die nicht so offensichtlich falsch ist: 3987 12 + 4365 12 = 4472 12 .

Der Frage, ob mathematische Begabung geschlechtsspezifisch ist, widmet sich die Folge Girls Just Want to Have Sums von 2006. Es beginnt damit, dass der Rektor Skinner, der Chef von Lisas Schule, ein paar Bemerkungen fallen lässt, dass Mädchen angeblich weniger Sinn für Mathematik hätten als Jungen. Natürlich spielt das an auf den Skandal um den Harvard-Präsidenten Lawrence Summers. Wie Summers, so wird auch Skinner seinen Job los, und eine Frau übernimmt seine Stelle. Die führt als erstes eine Geschlechter-Segregation im Matheunterricht ein – die Mädchen sollen ihren "speziellen Zugang" zur Mathematik finden. Nämlich bei sanfter Musik erzählen, was für Gefühle Zahlen bei ihnen auslösen. Lisa schaut sehnsüchtig hinüber in die andere Klasse, wo die Jungen mit harten Formeln das Volumen eines Schneemanns berechnen dürfen. Sie verkleidet sich fortan als Junge und gewinnt unter dem Namen "Jake Boyman" den Preis als bester Mathe-Schüler. Natürlich lässt sie den Schwindel auffliegen, und die Geschlechtertrennung in Springfield hat ein Ende.

Dass Mathematiker und Physiker ins Unterhaltungsgeschäft gehen, ist nur auf den ersten Blick erstaunlich. Der englische Mathematiker Keith Devlin, der viele populäre Bücher geschrieben hat, sagte, angesprochen auf den Lebensweg der Simpsons-Autoren: "Profi-Mathematik ist eigentlich eine spielerische Beschäftigung, mit der wir unser Geld verdienen. Wenn wir Mathematik treiben, dann spielen wir eigentlich im Sandkasten."

Links zum Thema:

simpsonsmath.com
Mathematik in den einzelnen Simpsons-Episoden
Das Fermat-Problem
Girls Just Want to Have Sums
Mathematischer Hintergrund der Simpsons-Autoren