Mit einer milliardenschweren Rettungsaktion für die Mittelstandsbank IKB wollen die staatliche KfW und die gesamte deutsche Bankenszene eine Branchenkrise abwenden. "Es geht um die Stabilität des deutschen Finanzmarkts", erklärte der Bundesverband deutscher Banken. Nach Informationen der Zeitung Die Welt haben sich die Interessenverbände der Branche auf ein Paket in Höhe von 3,5 Milliarden Euro geeinigt. 500 Millionen Euro davon sollen die privaten Banken übernehmen, weitere 500 Millionen Euro auf die Mitglieder des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) und des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) verteilt werden. Den Rest übernehme die KfW.

Während die Entscheidung über die Hilfe der privaten Geschäftsbanken schon gefallen sein soll, ist nach Informationen der Welt die Beteiligung der anderen beiden Säulen des deutschen Bankenwesens an der Hilfsaktion noch nicht endgültig beschlossen worden. "Wir machen das aus Verantwortung für den deutschen Finanzmarkt", sagte ein Sprecher des Bundesverbandes deutscher Banken, des Interessenvertreters der privaten Kreditinstitute. "Wir haben großes Interesses an der Stabilität des Finanzstandortes", ließ der DSGV wissen.

Auf der Suche nach einem Schuldigen für die ganze Misere hat der Aufsichtsrat der IKB auf den ehemaligen Chef der Bank Stefan Ortseifen gezeigt. "Es sieht so aus, als hätte der Vorstand die Wirtschaftsprüfer der KPMG und den Aufsichtsrat so geleitet, dass sie die Probleme mit dem Fonds "Rhineland" nicht sehen konnten", zitierte die Welt Aufsichtsratskreise. Namentlich nicht genannte Mitglieder des Gremiums wehrten sich gegen die Kritik, sie hätten die Probleme der Bank früher erkennen und darauf reagieren müssen.

Noch kurz vor der Aufsichtsratssitzung habe Ortseifen seine Kontrolleure nicht über die Probleme informiert. "Der Vorstand ist seinen Informationspflichten nur sehr eigenwillig nachgekommen", hieß es. Von einem kriminellen Verhalten wolle derzeit allerdings noch
niemand sprechen. "Wir gehen eher davon aus, dass die Lage bei der IKB völlig falsch eingeschätzt wurde." Ein Aufsichtsratsmitglied schloss weitere Hiobsbotschaften weitgehend aus. "Ein dickes Ende kommt nicht nach", sagte das Mitglied des Gremiums.

Die Sorge in der Branche ist groß, dass die IKB andere deutsche Banken mitreißen könnte, wenn sie strauchelt. Der Chef der Finanzaufsicht BaFin, Jochen Sanio, hatte vor der schwersten Bankenkrise seit 1931 gewarnt, sollte die IKB zusammenbrechen. Bundesbank-Präsident Axel Weber versicherte, dass durch die Maßnahmen aller Beteiligten die Probleme der IKB, die sich aus ihrem speziellen Engagement an den US-Immobilienmärkten ergeben hätten, wirksam aufgefangen wurden. Das Engagement deutscher Banken am US-Immobilienmarkt sei "überschaubar und insgesamt begrenzt" und überwiegend auf "hochbonitäre Anlagen" konzentriert. Mögliche Wertverluste in den Portfolios könnten verkraftet werden, sagte Weber.

Die Bundesregierung betonte, der Steuerzahler werde bei der Rettung der durch die US-Immobilienkrise in Schieflage geratenen IKB nicht belastet. Der Sprecher von Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, es gebe "überhaupt keine Anzeichen" dafür, dass es zu Folgewirkungen auf den öffentlichen Haushalt kommen könnte. Die Krise habe lediglich "lokale Auswirkungen" auf die IKB.