Das Landgericht Augsburg hat den Politikersohn Max Strauß vom Vorwurf der Steuerhinterziehung freigesprochen. "Der Angeklagte hat keine Steuern hinterzogen", sagte der Vorsitzende Richter Manfred Prexl bei der Urteilsverkündung am Montag. Strauß habe vom Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber kein Geld bekommen und habe deshalb auch nichts versteuern müssen. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Forderung der Verteidigung. Die Staatsanwaltschaft hatte eine 15-monatige Bewährungsstrafe verlangt.

Dem Urteil war ein Mammutverfahren voraus gegangen: Im ersten Prozess war der Sohn des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (CSU) vom selben Gericht im Juli 2004 noch zu einer Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Das Gericht zeigte sich damals davon überzeugt, dass Strauß 5,2 Millionen Mark steuerlich hinterzogen habe, die der Waffenhändler Karlheinz Schreiber unter dem Tarnnamen "Maxwell" auf einem Schweizer Konto deponiert hatte. Dieser Urteilsfindung mochte sich ein Jahr später der Bundesgerichtshof (BGH) nicht mehr anschließen. Er hob im November 2005 das Urteil auf und verwies die Causa Strauß zur Revision an das Landgericht Augsburg zurück. Der BGH vermisste eine konsequente Beweisführung und sah es als nicht erwiesen an, dass Max Strauß jemals Verfügungsgewalt über das von Schreiber deponierte Geld gehabt habe.

In der neuen Beweisaufnahme seit Dezember 2006 ging es der Staatsanwaltschaft in erster Linie  um den Nachweis, dass der junge Rechtsanwalt Strauß in den späten 80er Jahren als gewerbsmäßiger Lobbyist tätig gewesen sei. In Rede stand dabei immer wieder eine Berater- und Vermittlertätigkeit bei Panzergeschäften mit Saudi-Arabien und Airbus-Transfers nach Thailand.

Schon am vergangenen Montag jedoch hatte das Gericht erkennen lassen, dass keine Beweise ersichtlich seien, "die zu einer vom Bundesgerichtshof abweichenden Beurteilung führen könnten". Dementsprechend bewegen sich die Staatsanwälte auf dünnem Eis: Man sei "auf Indizien angewiesen", die das „System Schreiber“ aber selten hergebe.
 
Schreiber sitzt immer noch in Kanada, wo er zum wiederholten Mal gegen seine Auslieferung prozessiert. Gleichwohl glaubt die Staatsanwaltschaft unverbrüchlich daran, dass der Codename "Maxwell" Max Strauß zuzuordnen sei. Diese Schlussfolgerung ergebe sich aus einer Analogie ähnlich klingender Namen: "Waldherr" war Walter Leisler Kiep, "Holgart" Holger Pfahls, "Jürglund" Jürgen Maßmann und "Winter" Winfried Haaslert, was rechtskräftig feststeht. Alle Genannten haben aus unterschiedlichen Gründen Geld von Schreiber bekommen.

Die Kosten des Verfahrens trägt die Staatskasse; für eine Hausdurchsuchung wird Strauß entschädigt.