Die Popgeschichte ist um ein dionysisches Bild reicher: Die Deutsche Bank feierte ein erfolgreiches Geschäftsjahr – nicht in Frankfurt, sondern im Nationalen Kunstmuseum in Barcelona. Begleitet nicht von einer kleinen Showkapelle, sondern von den Rolling Stones. Zu Satisfaction wurden da die Krawatten gelockert und Gläser zerschmettert. So soll's sein, schließlich hatten die Organisatoren für den 90-minütigen Auftritt der Altrocker vier Millionen Euro hingeblättert. Also immerhin eine Million pro Musiker.

Die Deutsche Bank gab keinen Kommentar zu dem kostspieligen Auftritt. Der Konzern ist bekannt dafür, Popstars vor seinen Geschäftskunden spielen zu lassen. Auf der Gästeliste tummeln sich Kylie Minogue, Rod Stewart und Mariah Carey – zu ihrer Musik lassen sich offenbar gute Geschäfte machen.

Müssen sich nun auch die Rolling Stones vorwerfen lassen, mit einer abgehangenen Version von Ruby Tuesday der Globalisierung Tür und Tor geöffnet zu haben, indem sie Vorstandsmitglieder in eine nostalgische Stimmung versetzten? Sind die Glimmer Twins Mick Jagger und Keith Richards etwa Steigbügelhalter des Kapitalismus?

Was sich als Ausverkauf der Rock'n'Roll-Tugenden deuten lässt, ist längst üblich im Starbetrieb. Denn angesichts sinkender Albumverkäufe und hoher Tourneekosten haben viele Musiker ihr Portfolio um eine Option erweitert: das Privatkonzert.

Ein Konzept, bei dem beide Seiten gewinnen. Der Star hat ein Einkommen, das auch im nächsten Jahr die Stromkosten seiner Luxusvilla deckt. Der Kunde darf stolz die Einladungskarten drucken und sich im Musikerglanz sonnen. Freilich werden individuelle Wünsche der Auftraggeber berücksichtigt, und auch für einen kurzen Plausch mit Gästen stellt sich der Popstar zur Verfügung. Wenn die Gage stimmt.

Dass sie stimmt, beweist der Bedarf an Stars, die weite Anfahrtswege in Kauf nehmen, um ein paar Lieder am Büffet vorbei zu singen. Eine Stippvisite Christina Aguileras kostete den russischen Bankier Andrei Melnichenko knapp 3,6 Millionen Dollar. Das langte nur für zwei Stücke, dann musste sie schnell weg. Jennifer Lopez bot schon mehr: Die Pop-Diva flog zum Geburtstag von Melnichenkos Frau und fand sogar Zeit für ein kleines Ständchen. Dafür gab's 1,2 Millionen Dollar.