Es war nach der 10. Etappe der diesjährigen Tour de France. T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz wurde des Dopings überführt. ARD und ZDF gaben daraufhin bekannt, dass sie die Live-Berichterstattung über die Frankreich-Rundfahrt einstellen werden. Da stellte sich der Telekom-Kommunikationschef Christian Frommert den Fragen des ARD-Redakteurs. Er sprach von einem "herben Rückschlag" und von einem "Tiefschlag", der den Konzern über die Sponsorengelder nachdenken lassen müsse. Dann fragte der Redakteur, ob die Telekom nun aus der Tour und aus dem Radsport-Sponsoring aussteigen werde. Frommert zögerte lange, dann schüttelte er mehrmals den Kopf und sagte mit zögernder Stimme: "Nein, einen Ausstieg schließen wir nun nicht mehr aus."

Der deutsche Radsport stand kurz vor seinem Ende. Die Deutsche Telekom, der deutsche Radsport-Sponsor Nummer eins, überlegte, sich zurückzuziehen. Kein Geld mehr für unbelehrbare Fahrer. Mitten im Chaos die Reißleine ziehen und dann schnell weg.

Aber weil das so einfach gar nicht geht, haben sie sich nun anders entschieden. Der Sponsoringvertrag wird weiterhin erfüllt. Die Farbe Magenta, die seit mehr als 15 Jahren für radelnde Radfahrerwaden steht, wird das auch in Zukunft tun. Für den Entschluss haben sich die Telekom-Verantwortlichen Zeit genommen. Er ist konsequent, durchdacht und folgerichtig.

Allerdings: Obwohl jedes Unternehmen in Deutschland vor der freien Wahl steht, für wen, für was oder für welche Sportart es seine Gewinne steuermildernd und im besten Falle imagesteigernd investiert, hatte der Telekommunikationsriese keine echte Wahl.

Die Telekom stand aus sportlich-moralischer Sicht in der Pflicht: Wer jahrelang auf einer Euphoriewelle rund um die Tour-de-France-Sieger Bjarne Riies und vor allem Jan Ullrich mitradelt, dabei offenbar die Augen vor den ebenso dreckigen Dopingpraktiken verschließt und das Firmenlogo den jubelnden Menschenmassen vor die Nase hält, der kommt nicht so leicht davon.