Die Krise an den Finanzmärkten breitet sich weiter aus. Nun hat sie ausgerechnet den Geldmarkt erreicht , der immer – ein vermeintlich unverrückbarer Grundsatz – als das sicherste und langweiligste Marktsegment galt, das man sich nur denken konnte. Normalerweise schwanken die Kurse am Geldmarkt nur sehr wenig und die Renditen lassen sich vergleichsweise gut prognostizieren. Anleger packen Geldmarktfonds deshalb gerne als solide Beimischung in ihre Depots, um ihre Portfolios zu stabilisieren.

Bis vor kurzer Zeit galt es ebenfalls als unverrückbare Wahrheit, dass für die Anteile an wenig riskanten Anlageprodukten, wie es Geldmarktfonds eigentlich sein sollten, immer ein Kurs gestellt würde, der Handel mit ihnen also jederzeit möglich wäre.

Diese Zeiten sind vorbei. In vielen Geldmarkt- oder geldmarktnahen Fonds verbergen sich dubiose ABS-Strukturen (Asset Backed Securities), also Wertpapiere, die mit Vermögenswerten besichert sind, oder verbriefte Schulden, sogenannte Collateralized Debt Obligations (CDO). Noch vor wenigen Wochen hätte der geneigte Leser die Abkürzung ABS vermutlich eher mit seinem Auto in Verbindung gebracht als mit der Börse. Mittlerweile ist den meisten klar, dass es sich hier um problematische Papiere handelt.

In der Regel haben die emittierenden Finanzhäuser Forderungen aufgekauft, beispielsweise in der Form von Krediten, diese in einen hübschen neuen Mantel gesteckt und an interessierte Anleger weitergegeben. Wer die Kredite zuvor erhalten hatte, ob ein Schuldner von niedriger oder hoher Bonität, war in diesem Geschäft von völlig untergeordneter Bedeutung. Die Anleger investierten in Papiere, die so kompliziert und undurchsichtig gestrickt waren, dass keiner mehr durchschaute, was genau sie verbrieften. Selbst professionelle Investoren, so scheint es im Nachhinein, waren mit der Risikoanalyse überfordert – vielleicht wollten sie auch einfach nicht über mögliche Gefahren nachdenken.

Die Emittenten dieser Papiere teilten die Kredite, das sogenannte "Underlying", in verschiedene Tranchen, denen sie jeweils ein eigenes Risiko zuwiesen. Wird innerhalb solcher Konstruktionen ein Kredit nicht mehr bedient, so trifft er nicht alle Tranchen, sondern nur jene, der das höchste Risiko zugewiesen wurde. Wer in Wertpapiere investiert, die auf einer hochriskanten Tranche basieren, kann sein Geld also leicht verlieren. Zum Ausgleich erhält er einen besonders hohen Zins.

Aus der Sicht vieler Fondsverwalter stellten sich diese Papiere als äußerst verlockend dar. Sie wurden von den Ratingagenturen positiv beurteilt und galten deshalb als sehr sicher. Zugleich warfen sie höhere Zinsen ab als Papiere mit einem vergleichbaren Rating. Die professionellen Vermögensverwalter reagierten, indem sie spezialisierte ABS-Fonds auflegten oder ihre Geldmarktfonds mit den beschriebenen Papieren aufpeppten. So kam das Risiko an den Geldmarkt, und auch er wurde in die Turbulenzen der jüngsten Zeit hineingezogen.

Weil viele Banken und Vermögensverwalter nicht mehr bereit waren, Fondsanteile zurückzunehmen, in denen ABS-Strukturen enthalten waren, sanken auch die Aktienkurse, denn die Anleger schätzten ihr Risiko plötzlich höher ein als zuvor. Auch die Banken mochten ihr Geld keinem anderen Akteur am Finanzmarkt mehr anvertrauen. In der Folge fehlten dem Geldmarkt flüssige Mittel.