Rund um den Globus haben die Notenbanken kurz vor dem Wochenende Milliardensummen in das Bankensystem geschoben, um die tief verunsicherten Anleger zu beruhigen. Die Angst, dass sich die Kreditkrise zu einer großen Finanzkrise ausweitet, veranlasste die Europäische Zentralbank (EZB), die amerikanische Notenbank Fed sowie die Währungshüter in Tokio und Sydney dazu, den Banken weitere Geldmittel zur Verfügung zu stellen – so viel wie seit dem 11. September 2001 nicht mehr. Innerhalb von 48 Stunden wurden mehr als 230 Milliarden Euro in den Finanzkreislauf gebracht.

Die Notenbanken wollen in einer offenbar abgestimmten Aktion einem starken Anstieg der Zinssätze am Geldmarkt entgegentreten. Der würde sonst eine Versorgung der Finanzinstitute mit frischem Geld erheblich verteuern. Die nervösen Anleger an den Aktienmärkten konnten die Zentralbanken am Freitag kaum besänftigen: Die Kurse sackten in Europa ( Dax ) und Asien ( Nikkei ) deutlich ab. Auch die Wall Street ( Dow Jones ) verzeichnete den zweiten Tag in Folge Verluste.

Rund 24 Stunden, nachdem die EZB dem Euro-Finanzsystem schon einmal knapp 95 Milliarden Euro für einen Tag zum Zinssatz von vier Prozent bereitgestellt hatte, legte sie am Freitag nach. Mittels eines Schnelltender genannten Zuteilungsverfahrens schob sie über das Wochenende weitere 61,05 Milliarden Euro in den Geldmarkt.

Auch die Fed griff den zweiten Tag in Folge ein und pumpte in drei Kreditgeschäften mit einer Laufzeit von jeweils drei Tagen insgesamt 38 Milliarden Dollar ins Bankensystem - soviel wie noch nie an einem Tag seit vier Jahren. Insgesamt versorgte die amerikanische Zentralbank die Institute in dieser Woche mit rund 87,5 Milliarden Dollar, was mehr als 70 Prozent über der Summe der Vorwoche liegt. Die Fed werde ausreichend Liquidität bereitstellen, damit die Märkte normal funktionierten, teilten die Währungshüter mit.

Zumindest an den Geldmärkten sorgten diese Maßnahmen für Beruhigung: Die Zinssätze für Tagesgeldgeschäfte der Banken pendelten sich wieder auf ein normales Niveau ein. Die unmittelbaren Liquiditätssorgen der Anleger seien verschwunden, sagten Analysten. Zugleich wurde spekuliert, ob es schon bald zu Zinssenkungen in den USA kommen könnte, um die Krise zu entschärfen.

Auslöst hat die Krise der US-Markt für schlechter besicherte Hypothekenkredite . Immer öfter können diese Kredite nicht mehr bedient werden; jedoch ist unklar, bei welchen Banken die faulen Kredite liegen, weil sie in komplizierte Finanzprodukte umgebaut und über die ganze Welt weitergereicht wurden. Entsprechend groß ist die Angst, viele Geldhäuser könnten in Finanzierungsnöte geraten.