Sebastian Pommerke wurde auf einer Landstraße geblitzt. Bald darauf erhält er Post von der Brandenburger Landespolizei. Der Anlass ist nicht der schönste, doch was der Student nun in den Händen hält, fällt trotzdem angenehm auf. Ein kurzes Anhörungsschreiben, in dem ihm außer den üblichen Zeilen ein Benutzername und ein Kennwort mitgeteilt wird. Dazu die Aufforderung: Wickeln sie doch das gesamte Bußgeldverfahren online ab - auf der Internetwache.

Brandenburg erprobt diesen neuen „Service“ seit Juni 2007, die Internetwache existiere allerdings schon seit vier Jahren, sagt Christian Freyer, Mitarbeiter des Projektteams bei der Landespolizei. "Anfangs konnte man auf unseren Internetseiten ausschließlich Strafanzeigen erstatten oder sich allgemein über die Polizei informieren. Schritt für Schritt haben wir sie aber ausgebaut." Neueste Errungenschaft ist die Verknüpfung der Bußgeldstelle mit dem Bürger via World Wide Web. 150 Schreiben werden pro Tag im Probebetrieb bereits elektronisch versandt, später sollen es deutlich mehr werden. "Das spart Zeit und Geld auf beiden Seiten", sagt Freyer.

Informationen auf der Website des Bürgeramtes, Steuererklärung online, elektronische Baugenehmigungsverfahren, Kursbuchungen an Hochschulen, Ausschreibungsverfahren per Internet: Das sogenannte "E-Government" wird Alltag.

Der denglische Begriff bezeichnet die vollständig digitale Abwicklung von Vorgängen und Serviceleistungen zwischen den Behörden, zwischen Behörden und Unternehmen sowie Behörden und Bürgern. Hat die klassische Papierakte also ausgedient? Noch ruht das E-Government gewissermaßen auf doppelter Aktenführung. Bürgern oder Unternehmen müssen meist zwei Wege angeboten werden, die klassische Papier- und die neue, digitale Form. Die Behörden zwingen den Bürger nicht dazu, mit seiner Verwaltung online zu kommunizieren. Doch Papier habe in der Brandenburger Polizei keine große Zukunft mehr, sagt Freyer: Schreibt ein Bürger der Bußgeldbehörde einen Brief auf Papier, scanne diese ihn ein und arbeite fortan nur noch mit der Datei. Der Papierbrief lande stattdessen im Archiv.

Für Stammkunden arbeitet die Brandenburger Polizei an einem ganz besonderen Service. In der Bußgeldbehörde gibt es quasi ein Großkundenabo, einen Dauerzugang, sagt Christian Freyer. Das gelte nicht etwa für unverbesserliche Raser, sondern für Unternehmen und Organisationen, die eine größere Fahrzeugflotte unterhalten. Dieses Angebot befindet sich allerdings noch in einer sehr frühen Phase. Sobald es den Kinderschuhen entwachsen ist, will die Behörde auf die Firmen zugehen und für die Online-Abwicklung werben.

Mit seiner Internetwache ist Brandenburg Klassenprimus. Kein anderes Bundesland kann auf einen vergleichbar umfangreichen Service im Netz verweisen. Darauf ist man in Potsdam stolz. "Ah, Sie meinen unseren neuen Onlineservice!", so geht die freudige Begrüßung in der Telefonzentrale. E-Government als Mitarbeitermotivation - ein willkommenes Mittel, das angestaubte Behördenimage loszuwerden. Nur Kosmetik? Ablenkung von den eigentlichen, tiefer liegenden Problemen alteingesessener Behörden?