Die vergangene Woche hatte es in sich. Die Anleger waren in Panik, die Notenbanken versuchten verzweifelt, zu beschwichtigen, und die Aktienkurse begaben sich auf eine Berg- und Talfahrt , die der Königsetappe der Tour de France alle Ehre gemacht hätte. Nur durch Doping gelangten sie schließlich über den Berg. Gespritzt hatten die Mittelchen, anders als im Radsport ganz offiziell, die Notenbanken. Zuerst gab's weltweit zusätzliche Liquidität, später senkte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) überraschend ihren Diskontsatz.

Wie heikel die gegenwärtige Lage an den Börsen ist, zeigen die Summen, um die es geht. Im Hedgefonds Long Term Capital Management (LCTM), der im Jahr 1998 in eine Schieflage geriet, steckten rund vier Milliarden US-Dollar. Damals reichte das aus, um die weltweiten Aktienmärkte fast zusammenbrechen zu lassen. Heute hilft alleine die Investmentbank Goldman Sachs einem ihrer Hedgefonds mit einer Finanzspritze von drei Milliarden US-Dollar auf die Beine.

Das Bankenkonsortium, das der deutschen Mittelstandsbank IKB beistand, garantierte acht Milliarden Euro. Vergangenen Freitag wurde dann noch gemeldet, dass die Sparkassen die angeschlagenen SachsenLB mit mehr als 17 Milliarden Euro stützten. Doch das interessierte kaum noch jemanden, denn da hatte die Fed schon ihren Zins gesenkt.

Die Notenbanken werden es schon richten, glauben viele Anleger mittlerweile, und größere Fehlinvestitionen trägt solidarisch der Bankensektor. Solches Gottvertrauen verleitet institutionelle Investoren dazu, sich blind auf die ihrer Anlagestrategie zu Grunde liegenden Modelle zu verlassen. Doch weil die klassische Kapitalmarkttheorie annimmt, Ereignisse seien im Zeitablauf normal verteilt, die Zukunft lasse sich also aus vergangenen Geschehnissen ableiten, basieren die Modelle der Banker zumeist auf Daten aus der Vergangenheit.

Das kann gut funktionieren, solange nichts Außergewöhnliches passiert. Doch sobald ein bestimmtes Ereignis zum ersten Mal auftritt, klappt gar nichts mehr. Das klingt durch, wenn jetzt die Verluste eines Hedgefonds mit "noch nie dagewesenen Marktgeschehnissen" erklärt werden.

Das Grundproblem: In den Bankentürmen entwickeln hoch bezahlte Mathematiker, Statistiker und Physiker (auch sie können bekanntlich gut mit komplexen mathematischen Modellen umgehen) immer neue Strategien, die so komplex und undurchsichtig sind, dass sie im Idealfall gerade einmal von ihren Erfindern durchschaut werden. Selbst das ist nicht immer der Fall, wie die Ereignisse der vergangenen Wochen gezeigt haben.