Der Diskontsatz werde vorübergehend um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent sinken, teilte die Fed in Washington mit. Das bedeutet, dass die Banken ihrer Zentralbank nun weniger Zinsen zahlen müssen, wenn sie direkt bei ihr Kredite aufnehmen. Dadurch wird der Geldmarkt leichter mit Liquidität versorgt. Den wichtigeren Zielsatz für Tagesgeld beließ die Fed dagegen unverändert bei 5,25 Prozent. Die Notenbanker begründeten ihren Schritt damit, dass die Situation an den Finanzmärkten sich verschlechtert habe. Auch die Risiken für das Wirtschaftswachstum hätten sich merklich erhöht.

Am Vortag hatte schon der amerikanische Finanzminister Hank Paulson gewarnt, die Finanzkrise könne das Wachstum in den Vereinigten Staaten verlangsamen . Diese Äußerung ist ungewöhnlich, weil hochrangige Politiker es in Amerika üblicherweise vermeiden, sich öffentlich zur Entwicklung der Börsen zu äußern. Paulson sagte dem Wall Street Journal , er erwarte, dass der Abschwung an den Finanzmärkten „bei der Wachstumsrate der amerikanischen Wirtschaft eine Strafe fordern“ werde. Er sei aber zuversichtlich, dass Märkte und Wirtschaft stark genug seien, um die Verluste aufzufangen. Eine Rezession in den USA werde es wohl eher nicht geben. Allerdings werde die Regierung auch nicht in die Märkte eingreifen. „Es gibt aus meiner Sicht nichts, was wir unternehmen sollten, um die Marktteilnehmer gegen Verluste abzusichern“, sagte Paulson.

Die amerikanischen Börsianer ahnten den Beschluss ihrer Notenbank offenbar voraus, denn am Donnerstagabend hatten die Aktienkurse nach einem turbulenten Handel und weiteren schlechten Nachrichten vom Hypothekenmarkt zu einer späten Rally angesetzt und den Tag mit leichten Gewinnen beendet. Schon zu diesem Zeitpunkt nannten Händler Spekulationen über eine Zinssenkung durch die amerikanische Notenbank als Grund für den plötzlichen Stimmungswandel.

Als die Nachricht der Zinssenkung am Freitag dann offiziell war, stiegen die Aktienkurse in Frankfurt steil in die Höhe. "Das ist die richtige Unterstützung für den Markt. Die Notenbanken signalisieren, dass sie zur Unterstützung zur Verfügung zu stehen", sagte ein Fondsmanager. Die freudige Nachricht katapultierte den Dax , der zuvor leichte Verluste verzeichnet hatte, auf einen Stand von rund 7450 Punkten, etwa 2,6 Prozent über dem Vortagesschlusskurs. Sämtliche Dax-Werte stiegen im Vergleich zum Vortag an Wert. Dass die Anleger so heftig reagieren, ist allerdings auch ein Zeichen für die große Nervosität, die derzeit die Märkte beherrscht.

Bevor die Fed ihre Überraschungsaktion öffentlich machte, regierte an den Märkten die Sorge. In Asien waren die Kurse erneut abgestürzt. Sie erlitten die höchsten Wochenverluste seit annähernd einem Jahrzehnt. Der Leitindex Nikkei in Tokio verbuchte mit einem Abschlag von 5,4 Prozent den größten Tagesverlust seit den Anschlägen vom 11. September 2001, in deren Folge die Aktienmärkte rund um den Globus einbrachen.